US-Medien fürchten Internet-Datenlecks bei Nachwahlbefragungen

Dienstag, 6. November 2012, 14:47 Uhr
 

Los Angeles (Reuters) - Die großen US-Medien stehen am Dienstag vor einer besonderen Herausforderung: Sie müssen verhindern, dass die Ergebnisse der Nachwahlbefragungen vor Schließung der Wahllokale an die Öffentlichkeit gelangen.

Im Zeitalter des Internets könnte sich eine einzige zu früh verschickte Twitter-Botschaft oder ein Posting auf Facebook rasant im ganzen Land verbreiten. Die Organisatoren der Wahl befürchten, dass es zu Verzerrungen kommen könnte, wenn ein Ergebnis festzustehen scheint, während im selben Bundesstaat noch gewählt wird. Ein gesetzliches Verbot gibt es nicht. Die großen TV-Sender sagten dem Kongress 1985 zu, erst dann die Ergebnisse aus einem Staat zu veröffentlichen, wenn die Wahllokale dort geschlossen sind.

Für die Nachwahlbefragungen haben sich diverse US-Medien unter dem Dach des National Election Pools zusammengeschlossen. Dazu gehören CNN, ABC, Fox und die Nachrichtenagentur Associated Press. Wie bei den drei vorherigen Wahlen werden die Daten dieses Jahr zunächst nur an sechs Analysten ausgehändigt, die sich ohne Internet-Zugang oder Telefone von 11.00 bis 17.00 Uhr (US-Ostküstenzeit) in ein "Quarantäne-Zimmer" zurückziehen. Sie können die Daten dort auswerten, jedoch erst nach der Sperrzeit an ihre Kollegen weitergeben. Diese Vorgehensweise war ein Grund, warum 2008 die Nachwahlbefragungen nicht vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangten.

Die Nachrichtenagentur Reuters gehört nicht dem National Election Pool an, sondern arbeitet mit dem Ipsos-Institut zusammen. Auch hier werden die Ergebnisse bis zur Schließung der jeweiligen Wahllokale zurückgehalten.

Kleinere Sender und Internet-Medien könnten dagegen sofort die Daten veröffentlichen, wenn sie sie in die Finger bekämen. Die Website Drudge Report hatte 2004 einige Ergebnisse vorzeitig ins Internet gestellt, die einen Vorteil für den Demokraten John Kerry zeigten. Die US-Aktienmärkte gaben nach. Kerry verlor allerdings am Ende gegen Republikaner George W. Bush.

In den USA wird der Präsident nicht in einer landesweiten Wahl bestimmt, sondern über getrennte Abstimmungen in den einzelnen Bundesstaaten, deren Ergebnisse zusammengefasst werden.