Generalstreik gegen Sparpaket lähmt Griechenland

Dienstag, 6. November 2012, 17:29 Uhr
 

Athen (Reuters) - Kurz vor einer Parlamentsabstimmung über ein neues Sparprogramm hat ein Generalstreik gegen die Sparpolitik der Regierung am Dienstag das öffentliche Leben in Griechenland weitgehend zum Erliegen gebracht.

Zu dem 48-stündigen Ausstand hatten die beiden größten Gewerkschaften aufgerufen, deren Protest sich vor allem gegen Lohn- und Rentensenkungen richtet. Die Kürzungen sind Teil eines 13,5 Milliarden Euro schweren Sparprogramms, über das die Abgeordneten am Mittwochabend abstimmen sollen. Angesichts der Uneinigkeit in der Koalition wird mit einem knappen Ergebnis gerechnet. Das Paket ist Bedingung für weitere Kredite von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission in Höhe von 31,5 Milliarden Euro, ohne die dem Mittelmeerstaat die Pleite droht.

In Athen fuhren am Dienstag weder U-Bahnen noch Züge, Straßenbahnen blieben in den Depots. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen. Auch die Taxifahrer beteiligten sich an dem Ausstand. Schulen, Behörden und Banken blieben ebenfalls geschlossen. Krankenhäuser nahmen nur noch Notfälle an. Es war der dritte Generalstreik innerhalb von zwei Monaten.

Vor dem Parlamentsgebäude versammelten sich in den Mittagsstunden rund 16.000 Menschen und damit weitaus weniger Demonstranten als bei früheren Streiks. Einige schwenkten Fahnen und schlugen Trommeln. In Sprechchören rief die Menge "Lasst euch nicht unterkriegen" und "Dieser Streik ist erst der Anfang". "Die sollen zum Teufel gehen", machte eine Rentnerin ihrer Wut über die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras Luft. Sie müsse in der Kirche um Essen betteln, und die Politiker wüssten nicht, wie ihr zumute sei. Ein ehemaliger Bauunternehmer bezeichnete die Kürzungen als Fehler, da die Lasten einseitig auf die kleinen Leute verteilt würden.

Die Regierung hatte am Montag das neue Sparpaket ins Abgeordnetenhaus eingebracht. Die Pläne sehen weitere Kürzungen bei der Rente und beim Urlaubsgeld sowie Reformen am Arbeitsmarkt vor.

 
Protesters shout slogans during an anti-austerity rally in front of the parliament in Athens November 6, 2012. REUTERS/Yorgos Karahalis