Obama fährt bei US-Wahl wichtige Etappensiege ein

Mittwoch, 7. November 2012, 05:17 Uhr
 

Washington (Reuters) - Bei der US-Präsidentenwahl hat Amtsinhaber Barack Obama erste wichtige Etappensiege eingefahren.

Er setzte sich nach Berechnungen verschiedener amerikanischer Fernsehsender in sechs besonders umkämpften Bundesstaaten durch, darunter Wisconsin und New Hampshire, wo der Ausgang als völlig offen galt. Außerdem siegte er den Prognosen zufolge in Michigan und Pennsylvania. Gerade in Pennsylvania hatte Obamas Herausforderer Mitt Romney auf einen Überraschungserfolg gehofft und dort zahlreiche seiner Wahlkampfauftritte abgehalten. Insgesamt blieb das von den Themen Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Streit über Obamas Gesundheitsreform bestimmte Rennen aber weiter offen, denn aus den potenziell wahlentscheidenden "Swing States" Ohio, Florida und Virginia, die keinem Lager eindeutig zugerechnet werden können, lagen zunächst keine eindeutigen Trends vor. Zwar waren auch dort die Wahllokale seit Stunden geschlossen, Obama und Romney lagen aber zu dicht beieinander, um verlässliche Vorhersagen zuzulassen.

Bei den zeitgleich stattfindenden Kongresswahlen bahnte sich derweil ein Patt an. Der US-Sender CNN prognostizierte, dass die Republikaner die Kontrolle im Repräsentantenhaus behalten dürften. Die Demokraten steuerten dagegen auf eine Beibehaltung ihrer Mehrheit im Senat zu. An den Machtverhältnissen würden sich damit nichts ändern. Es droht wie schon in den vergangenen beiden Jahren eine Blockade, die entscheidenden Einfluss darauf haben dürfte, wie effektiv im Weißen Haus regieret werden kann. Das wäre vor allem verheerend für den Kampf gegen die immensen Lücken im Staatshaushalt. Hier muss dringend eine Lösung gefunden werden, die nicht auf Kosten der ohnehin schleppenden Konjunkturentwicklung geht.

Besonders an den Aktienmärkten wird befürchtet, dass der Präsident wegen eines gespaltenen Kongresses die Haushaltsprobleme der weltgrößten Volkswirtschaft nicht gezielt angehen kann. In Japan, wo beim Bekanntwerden der ersten Prognosen bereits gehandelt wurde, tendierte der Nikkei-Index etwas schwächer.

WARTEN AUF OHIO

Gut fünf Stunden nach Schließung der ersten Wahllokale zählten die US-Sender Obama-Siege in 16 Bundesstaaten. Romney fuhr 18 Siege ein, doch keiner davon fiel überraschend aus. Bei den Wahlmännern lag Obama klar in Führung, wenn man auch die Staaten berücksichtigte, für die zwar noch kein Ergebnis vorlag, der Ausgang aber von vornherein so gut wie feststand. Dennoch war das Rennen längst noch nicht gelaufen. Mit Spannung wurde deshalb auf erste Signale aus den wichtigsten "Swing States" gewartet, allen voran Ohio. Für Romney war ein Sieg dort praktisch unverzichtbar. Außerdem musste er Florida und Virginia holen, um seine Chancen auf die Präsidentschaft zu wahren. Obama konnte es sich dagegen leisten, ein oder zwei der drei wichtigen "Swing States" abzugeben und dennoch den Wiedereinzug ins Weiße Haus zu schaffen.

Der Ausgang der Wahl in den einzelnen Bundesstaaten ist deshalb so wichtig, weil Wahlsieger am Ende nicht wird, wer landesweit die meisten Stimmen insgesamt bekommen hat, sondern wer sich die meisten Wahlmänner sichern kann. Diese werden über die Bundesstaaten vergeben. Dort gilt in nahezu allen Fällen das Prinzip: Wer die meisten Stimmen erhält, bekommt alle Wahlmänner dieses Staats zugesprochen, während der Verlierer leer ausgeht. Für den Wahlsieg benötigt ein Bewerber mindestens 270 Wahlmänner. In Ohio ging es um 18, in Virginia um 13 und in Florida um 29. Bei der Wahl 2000 hatte der demokratische Kandidat Al Gore landesweit mehr Stimmen als der Republikaner George W. Bush. Bush gewann aber, weil er mehr Wahlmänner auf sich vereinigt hatte.