Rebellen feuern auf Assad-Palast und treffen Wohnviertel

Mittwoch, 7. November 2012, 15:53 Uhr
 

Amman (Reuters) - Syrische Rebellen haben am Mittwoch in Damaskus Granaten auf einen Palast von Präsident Baschar al-Assad gefeuert, stattdessen aber ein überwiegend von Alawiten bewohntes Viertel getroffen.

Anwohner berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, schwere Geschosse seien in den Stadtteil Messe 86 eingeschlagen. In staatlichen Medien war von mindestens drei Todesopfern die Rede, sieben Menschen seien verletzt worden. Die islamistische Rebellengruppe Löwen des Islam erklärte, sie habe auf den Palast gezielt, ihn aber verfehlt. Ob sich der Präsident zu dem Zeitpunkt in dem auf einer Anhöhe gelegenen Gebäude aufhielt, ließ sich nicht feststellen.

"Dieser Einsatz ist eine Antwort auf die Massaker, die in unserer geliebten Stadt verübt wurden", erklärte die Rebellengruppe. Sie gab an, auch einen Militärflughafen und ein Gebäude des Nachrichtendienstes in der Hauptstadt Damaskus attackiert zu haben. "Rettungswagen sind im Einsatz", berichtete eine Anwohnerin von Messe 86. "Und die Schabbiha feuert wie verrückt mit automatischen Gewehren in die Luft." Diese Miliz ist Assad treu ergeben. In Messe 86 und einem anderen alawitischen Stadtteil waren erst vor wenigen Tagen Bomben hochgegangen, mehr als zwanzig Menschen kamen ums Leben.

PALÄSTINENSER WERDEN IN BÜRGERKRIEG HINEINGEZOGEN

Bei einem Bombenanschlag sei am Mittwoch zudem ein Richter getötet worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Ein Sprengsatz sei unter seinem Auto detoniert. Auch die Palästinenser werden in den Konflikt hineingezogen: Bei Gefechten in der Nähe eines Palästinenserlagers bei Damaskus töteten Rebellen nach Oppositionsangaben zehn Angehörige der Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando (PFLP-GC). Diese palästinensische Splittergruppe unterstützt Assad. Vergangene Woche hatten syrische Rebellen und Palästinenser, die hinter der Opposition stehen, die Bildung einer neuen Brigade angekündigt, um die PFLP-GC zu bekämpfen. Eine unabhängige Bestätigung für die Angriffe gab es nicht. Die meisten ausländischen Journalisten wurden ausgewiesen.

Der Bürgerkrieg droht Syrien zu zerreißen und ist auch für den wiedergewählten US-Präsidenten Barack Obama eine große Herausforderung. Die religiösen und ethnischen Unterschiede in der syrischen Bevölkerung gewinnen an Bedeutung: Die Aufständischen finden ihren Rückhalt vor allem bei den Sunniten, Assad dagegen gehört den Alawiten an, einer schiitischen Sekte.

NATIONALRAT BEMÜHT SICH UM EINIGKEIT DER OPPOSITION

Um Einigkeit im Widerstand gegen Assad bemühte sich der Syrische Nationalrat, die größte Oppositionsgruppe, in Katar. Dort sollte noch am Mittwoch eine neue Führung gewählt werden. Für Donnerstag ist ein Treffen mit anderen Oppositionsgruppen geplant, um eine aus 50 Personen bestehende zivile Gruppe zu küren, die später eine Übergangsregierung wählen und mit dem militärischen Teil des Widerstandes zusammenarbeiten soll.

Westliche Staaten beklagen seit längerem die Zersplitterung der syrischen Opposition. Großbritannien kündigte an, Gespräche mit deren militärischer Seite aufnehmen zu wollen und ihre Einheit zu stärken. Deutschland stockt die humanitäre Hilfe für die Opfer des Konfliktes um zwölf Millionen Euro auf. Eine Vermittlungsreise einer ranghohen päpstlichen Delegation nach Damaskus sagte der Vatikan ab. Papst Benedikt XVI. hatte unter anderem den Erzbischof von New York, Kardinal Timothy Dolan, entsenden wollen. Benedikt rief bei seiner wöchentlichen Audienz die Weltmächte auf, dabei zu helfen, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden.

In dem seit 19 Monaten währenden Aufstand gegen die mehr als 40-jährige Herrschaft des Assad-Clans kamen rund 32.000 Menschen ums Leben. Der Konflikt birgt auch die Gefahr, auf die Region überzugreifen. So will die Türkei nach Angaben aus Regierungskreisen bei der Nato die Stationierung von Patriot-Flugabwehrraketen beantragen, um ihre 910 Kilometer lange Grenze zu Syrien zu sichern. Dort kam es wiederholt zu Scharmützeln, aus Syrien waren mehrfach Granaten auf türkischem Boden eingeschlagen.