Assad -Militär-Intervention des Westens unwahrscheinlich

Donnerstag, 8. November 2012, 14:49 Uhr
 

Doha (Reuters) - Der syrische Präsident Baschar al-Assad rechnet nach eigenen Worten nicht mit einer Militär-Intervention des Westens.

Die Kosten einer solchen Aktion wären nicht tragbar, sagte Assad in einem Interview des Fernsehsenders Russia Today. Zudem warnte er, eine Militäraktion "würde einen Dominoeffekt haben". Die ganze Welt vom Atlantik bis zum Pazifik wäre betroffen. "Ich glaube nicht, dass der Westen in diese Richtung steuert, zitierte ihn der Sender am Donnerstag auf seiner Internetseite. "Wenn er es aber tun würde, kann niemand sagen, was danach passieren wird."

Vorschlägen, er Syrien verlassen, um auf diese Weise den seit 19 Monaten andauernden Aufstand gegen ihn zu beenden, erteilte Assad eine klare Absage. Er werde in Syrien leben und dort auch sterben, sagte er in dem Interview, das am Freitag ausgestrahlt werden sollte. "Ich bin keine Marionette des Westens, die in den Westen oder ein anderes Land geht." Der britische Premierminister David Cameron hatte freies Geleit und ein ausländisches Exil für Assad ins Gespräch gebracht. Mit Blick auf den mit westlicher Unterstützung gestürzten libyschen Machthaber Muammar Gaddafi sagte Assad: "Ich bin härter als Gaddafi".

TÜRKEI KÜNDIGT OFFIZIELLE BITTE UM PATRIOT-RAKETEN AN

Die Türkei wirbt seit längerem für eine ausländische Intervention in dem Konflikt, insbesondere für die Errichtung einer Flugverbotszone in Syrien. Ein Angriff Syriens auf den Nato-Partner Türkei könnte schnell zu einer Internationalisierung des Konflikts führen. Wegen der Bündnisverpflichtungen der Nato-Staaten wären diese direkt betroffen. Am Mittwoch hatte die Türkei ihren Druck auf die syrische Führung verschärft und von der Nato die Stationierung modernster Luftabwehr-Raketen vom Typ "Patriot" gefordert. In nächster Zukunft werde ein offizieller Antrag an die Nato gestellt. Die Türkei sei der Gefahr von Raketenangriffen ausgesetzt und habe das Recht, sich dagegen zur Wehr zu setzen.

In der Türkei sind bereits mehrfach von Syrien aus abgefeuerte Granaten eingeschlagen. Am Donnerstag wurden offiziellen Angaben zufolge zwei Zivilisten durch Beschuss aus Syrien verletzt. Eine Frau und ein junger Mann wurden demnach in der Grenzstadt Ceylanpinar in der Provinz Hatay durch einen Irrläufer getroffen.

Am Donnerstag stoppte die Türkei erneut ein Flugzeug mit dem Ziel Syrien, um dessen Ladung zu überprüfen. Die aus Armenien stammende Frachtmaschine sei in der osttürkischen Stadt Erzurum gelandet, hieß es in Branchenkreisen. Dort sei sie vier Stunden lang durchsucht worden und habe dann ihren Flug fortgesetzt. Die Ladung sei nicht beschlagnahmt worden. Bereits Mitte Oktober war ein armenisches Flugzeug in der Türkei durchsucht und danach wieder freigegeben worden. Die Türkei hat ihren Luftraum für syrische Flugzeuge gesperrt, weil nach Darstellung der Regierung mit einem Passagierflugzeug russische Waffen in das Nachbarland transportiert werden sollten.

OPPOSITION BERÄT IN DOHA

Die syrische Opposition beriet unterdessen in Katar über die Schaffung einer Dachorganisation der Assad-Gegner im In- und Ausland. International wächst der Druck auf die Opposition, ihre Differenzen beizulegen und sich auf die Zeit nach Assad vorzubereiten. Vor allem dem aus dem Ausland geführten Syrischen Nationalrat wird vorgehalten, nicht effektiv zu arbeiten, keinen Bezug zur Lage Vorort zu haben und unter dem Einfluss der Muslimbrüder zu stehen.