Assad - Werde in Syrien leben und sterben

Donnerstag, 8. November 2012, 19:40 Uhr
 

Doha (Reuters) - Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat einen Gang ins Exil kategorisch ausgeschlossen.

"Ich bin Syrer und werde in Syrien leben und sterben", sagte Assad in einem Interview des russischen Fernsehsenders RT, das am Freitag ausgestrahlt werden sollte. Zugleich äußerte sich der Staatschef überzeugt, dass der Westen nicht in den Bürgerkrieg in seinem Land eingreifen werde. Ein Militär-Intervention hätte verheerende Folgen für die ganze Welt. Der türkische Präsident Abdullah Gül erklärte, die Regierung in Ankara verhandele mit der Nato über die Stationierung von "Patriot"-Flugabwehrraketen.

"Ich bin keine Marionette des Westens, die in den Westen oder ein anderes Land geht", zeigte sich Assad zum Ausharren in Syrien entschlossen. Der britische Premierminister David Cameron hatte freies Geleit und ein ausländisches Exil für Assad ins Gespräch gebracht. Mit Blick auf den mit westlicher Hilfe gestürzten libyschen Machthaber Muammar Gaddafi sagte Assad: "Ich bin härter als Gaddafi". Allerdings stellte RT klar, dass es sich bei diesen Worten um die Interpretation des Chefredakteurs und nicht um den exakten Wortlaut Assads handele.

Gül sagte, sein Land wolle keinen Krieg mit dem Nachbarn, müsse sich aber gleichwohl gegen mögliche Bedrohungen wappnen. Die Türkei wirbt seit längerem für eine ausländische Intervention in dem Konflikt, insbesondere für die Errichtung einer Flugverbotszone in Syrien. Ein Angriff Syriens auf den Nato-Partner Türkei könnte schnell zu einer Internationalisierung des Konflikts führen. Wegen der Bündnisverpflichtungen der Nato-Staaten wären diese direkt betroffen.

In der Türkei sind bereits mehrfach von Syrien aus abgefeuerte Granaten eingeschlagen. Am Donnerstag wurden offiziellen Angaben zufolge zwei Zivilisten durch Beschuss aus Syrien verletzt. Eine Frau und ein junger Mann wurden demnach in der Grenzstadt Ceylanpinar in der Provinz Hatay durch einen Irrläufer getroffen.

Zudem stoppte die Türkei erneut ein Flugzeug mit dem Ziel Syrien, um dessen Ladung zu überprüfen. Die aus Armenien stammende Frachtmaschine sei in der osttürkischen Stadt Erzurum gelandet, hieß es in Branchenkreisen. Dort sei sie vier Stunden lang durchsucht worden und habe dann ihren Flug fortgesetzt. Die Ladung sei nicht beschlagnahmt worden. Bereits Mitte Oktober war ein armenisches Flugzeug in der Türkei durchsucht und danach wieder freigegeben worden. Die Türkei hat ihren Luftraum für syrische Flugzeuge gesperrt, weil nach Darstellung der Regierung mit einem Passagierflugzeug russische Waffen in das Nachbarland transportiert werden sollten.

OPPOSITION BERÄT IN DOHA

Die syrische Opposition beriet unterdessen in Katar über die Schaffung einer Dachorganisation der Assad-Gegner im In- und Ausland. International wächst der Druck auf die Opposition, ihre Differenzen beizulegen und sich auf die Zeit nach Assad vorzubereiten. Vor allem dem aus dem Ausland geführten Syrischen Nationalrat wird vorgehalten, nicht effektiv zu arbeiten, keinen Bezug zur Lage Vorort zu haben und unter dem Einfluss der Muslimbrüder zu stehen.