Syrische Opposition fordert internationale Anerkennung

Dienstag, 13. November 2012, 16:23 Uhr
 

Kairo (Reuters) - Der Chef des neuen syrischen Oppositionsbündnisses hat am Dienstag die Staaten Europas aufgefordert, seine Koalition als legitime Regierung Syriens anzuerkennen.

Außerdem soll das Bündnis mit den nötigen Mitteln versorgt werden, um Waffen für den Sturz von Präsident Baschar al-Assad zu kaufen. Frankreich und Großbritannien machten indes klar, dass zunächst noch weitere Bedingungen erfüllt sein müssten. Dazu gehöre vor allem die Schaffung einer breiten Unterstützung in Syrien selbst für die Nationale Koalition der Oppositionskräfte und der Syrischen Revolution. Außerdem sind die Europäer ebenso wie die USA zurückhaltend, was die Lieferung von Waffen an die syrischen Rebellen betrifft, da unter ihnen auch radikale Islamisten sind.

In Syrien gingen die Kämpfe am Dienstag weiter. Syrische Kampfflugzeuge bombardierten Augenzeugen zufolge erneut die von Rebellen gehaltene Stadt Ras al-Ain an der türkischen Grenze. Assad-Truppen versuchten bereits am Tag zuvor, die Kontrolle über die Stadt zurückzugewinnen. Zivilisten flohen über die nahe Grenze in die Türkei. An der Grenze zum Irak beschossen syrische Kampfflugzeuge und Artillerie die Stadt Albu Kamal, wo Rebellen einige Bezirke eingenommen haben.

OPPOSITION: ANERKENNUNG UND WAFFEN WÜRDEN PROBLEME LÖSEN

Der am Sonntag einmütig gewählte Chef des Oppositionsbündnisses, Muas al-Chatib, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Ich bitte die europäischen Staaten um eine politische Anerkennung der Koalition als legitime Vertretung des syrischen Volkes und um finanzielle Unterstützung." Dies würde es dem Bündnis erlauben, als eine Regierung zu handeln und somit Waffen zu erwerben. "Das würde unsere Probleme lösen", fügte er hinzu.

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte in Paris, für einen solchen Schritt sei es noch zu früh. Zunächst müssten die Rebellengruppen in Syrien unter dem Dach der Koalition vereint werden. Dennoch sei deren Schaffung schon ein Schritt in die richtige Richtung. Der britische Außenminister William Hague forderte ebenfalls, dass die Koalition zunächst im Land Unterstützung gewinnen müsse.

Der Chef der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, stärkte dem neuen Oppositionsbündnis den Rücken. Auf einer gemeinsamen Konferenz mit Vertretern Europas in Kairo sagte Elarabi, er hoffe, dass sich auch die restlichen Oppositionsgruppen dem Bündnis anschlössen. Zugleich appellierte er an die Staatengemeinschaft, die Koalition anzuerkennen und zu unterstützen. Das traf allerdings selbst in der Arabischen Liga nicht überall auf offene Ohren. Zwar erkannten sechs Golfstaaten die Koalition an; der Irak, Algerien und Libanon verhinderten aber, dass die Liga dem geschlossen folgt.

In Syrien selbst wächst jeden Tag das Leid der Menschen. Der syrische Rote Halbmond schätzt nach UN-Angaben, dass in dem Land mittlerweile 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Bislang hatten Hilfsorganisationen von rund 1,2 Millionen Menschen gesprochen. Die Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge, Melissa Fleming, betonte in Genf, die Zahl 2,5 Millionen sei eine eher "konservative Schätzung".

 
A Turkish soldier walks on the Turkish-Syrian border in Ceylanpinar, southern Sanliurfa province November 13, 2012. REUTERS/Osman Orsal (TURKEY - Tags: POLITICS CONFLICT MILITARY)