Assad geht verstärkt mit Luftwaffe gegen Rebellen vor

Mittwoch, 14. November 2012, 16:12 Uhr
 

Ceylanpinar/Amman (Reuters) - Die syrische Führung setzt im Kampf gegen die Rebellen verstärkt auf die Luftwaffe.

Kampfflugzeuge bombardierten am Mittwoch in der Hauptstadt Damaskus zwei Stadtviertel, die von der Opposition kontrolliert werden. Auch die Ortschaft Ras al-Ain an der Grenze zur Türkei kam erneut unter Beschuss. Augenzeugen zufolge ließen die türkischen Streitkräfte daraufhin Kampfflugzeuge aufsteigen. Auf diplomatischer Ebene mussten die Rebellen einen Rückschlag hinnehmen: Anders als Frankreich erkannte die US-Regierung das neu geformte Oppositionsbündnis nicht an.

Eine Oppositionelle berichtete aus Damaskus per Telefon, die Viertel Kabun und Dschobar seien bombardiert worden. Die Kampfflugzeuge hätten Raketen aus großer Höhe abgefeuert. Dschobar ist ein sunnitisch geprägtes Arbeiterviertel und hat beim Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad eine wichtige Rolle gespielt. Assad gehört wie viele seiner Vertrauten der alawitischen Minderheit an.

Auch in der von Rebellen beherrschten Stadt Ras al-Ain setzte die syrische Luftwaffe erneut Kampfflugzeuge ein, wobei die Einschläge auch Gebäude in der türkischen Nachbarstadt Ceylanpinar erschütterten. Über Ras al-Ain stiegen Rauchwolken auf. Kurz nach dem Angriff waren auch auf türkischer Seite Kampfflugzeuge zu hören. Eine offizielle Bestätigung des türkischen Einsatzes gab es nicht.

Wegen des Bürgerkrieges gibt es an der syrisch-türkischen Grenze immer wieder Spannungen. Die Regierung in Ankara hat mehrfach betont, die Grenze verteidigen zu wollen. Das Land verhandelt auch mit der Nato über die Stationierung von Luftabwehrraketen.

Die Türkei war früher ein Verbündeter Syriens. Inzwischen ist Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan aber einer der schärfsten Kritiker Assads. Der Aufstand, der im vergangenen Jahr mit Protesten gegen die Regierung begann, ist zu einem Bürgerkrieg geworden, in den Zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind.

USA ERKENNEN OPPOSITIONSBÜNDNIS NICHT FORMELL AN

Das neue Bündnis der syrischen Opposition kann unterdessen vorerst nicht auf eine offizielle Anerkennung durch die USA hoffen. "Wir haben lange eine solche Organisation gefordert. Wir wollen sehen, dass dieser Impuls beibehalten wird", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton bei einem Besuch in Australien. Die Opposition müsse zeigen, dass sie Einheit, Demokratie und Pluralität in Syrien voranbringen könne. Dann seien die USA bereit, mit dem Bündnis zusammenzuarbeiten, um dem syrischen Volk zu helfen.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hatte am Dienstag bei einem Besuch in Kairo erklärt: "Wir erwarten, dass die syrische Opposition sich nicht nur auf eine gemeinsame Plattform auf dem Papier verständigt." Er lud den neuen Chef der Koalition, Moas al-Chatib, zu einem Besuch in Berlin ein und sagte Unterstützung beim Bemühen zu, eine Plattform der Opposition und eine glaubwürdige Alternative zur Führung um Assad aufzubauen.

Als erstes europäisches Land hatte Frankreich am Dienstag das Oppositionsbündnis als rechtmäßige Vertretung des syrischen Volks anerkannt. Sobald eine Übergangsregierung gebildet sei, werde sich die Regierung in Paris auch mit den Forderungen der Rebellen nach Waffen befassen, sagte Präsident Francois Hollande. Am Montag hatten bereits sechs arabische Golfstaaten die Koalition anerkannt.

 
Residents gather around a rail road in the Syrian town of Ras al-Ain, as seen from the Turkish border town of Ceylanpinar, Sanliurfa province November 14, 2012. A Syrian warplane bombed the town of Ras al-Ain near the Turkish border for a third day on Wednesday as forces loyal to President Bashar al-Assad pressed an air assault to dislodge rebels. REUTERS/Stringer (TURKEY - Tags: POLITICS CONFLICT CIVIL UNREST)