4000 Jordanier fordern Rücktritt von König Abdullah

Freitag, 16. November 2012, 16:00 Uhr
 

Amman (Reuters) - In der jordanischen Hauptstadt Amman sind rund 4000 Demonstranten auf die Straße gegangen und haben den Rücktritt von König Abdullah und seiner Regierung gefordert.

Die Kundgebung nach den traditionellen Freitagsgebeten nahe der zentral gelegenen Husseini-Moschee verlief friedlich. Unbewaffnete Polizisten trennten den Protestzug von einer kleineren Gruppe Demonstranten, die König Abdullah unterstützten. In Sprechchören forderten die Demonstranten "den Fall des Regimes" und riefen: "Tritt ab, Abdullah, tritt ab!" Auslöser der Proteste war eine von der Regierung verfügte Erhöhung der Treibstoff-Preise.

Die Muslim-Brüderschaft, die auch in Ägypten Treiber des Umsturzes war, hatte bereits zuvor Proteste in ländlichen Gegenden organisiert. "König Abdullah sollte auf die Lage reagieren und die Preiserhöhungen zurücknehmen", erklärte der Führer der Muslim-Brüderschaft, Scheich Hamam Said. Die Gruppe hatte als größte Oppositionskraft zur Teilnahme an den Kundgebungen aufgerufen. Die Führungsspitze nahm an den Demonstrationen aber nicht teil.

Die Proteste wecken Erinnerungen an den Beginn der Unruhen im benachbarten Syrien. Dort entwickelten sich die anfangs friedlichen Demonstrationen zu einem Bürgerkrieg. In anderen Ländern des Arabischen Frühlings wie Ägypten, Tunesien und Libyen stürzten Regierungen.

Jordanien, das Land mit der längsten Grenze zu Israel, gilt in der Region als engster Verbündeter des Westens unter den arabischen Staaten. König Abdullah hatte in diesem Jahr Verfassungsreformen auf den Weg gebracht und dem Parlament mehr Einfluss zugebilligt. Eine für Januar geplante Parlamentswahl will die Muslim-Brüderschaft aber boykottieren.