Merkel und Putin spielen Differenzen herunter

Freitag, 16. November 2012, 16:13 Uhr
 

Moskau (Reuters) - Nach der scharfen Kritik der Bundestagsparteien an der Menschenrechtslage in Russland haben Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel die Qualität der Beziehungen zwischen beiden Ländern betont.

"Wir wollen, dass Russland erfolgreich ist", sagte Merkel zum Abschluss des Petersburger Dialogs am Freitag in Moskau. Auch Putin spielte die Differenzen vor Beginn der 14. deutsch-russischen Regierungskonsultationen bewusst herunter.

Merkel sagte, man diskutiere über die richtigen Rezepte. Die Kanzlerin kritisierte etwa neue Gesetze gegen die Organisations- und Meinungsfreiheit sowie das Urteil gegen die regierungskritische Punk-Band Pussy Riot als unnötig hart. "Diskussion sind immer auch der erste Schritt zu Fortschritt und Veränderung und zu einer vernünftigen Entwicklung", betonte sie und forderte die russische Seite auf, dies nicht als Angriff zu verstehen. Der Präsidenten-Sprecher hatte am Donnerstag von "anti-russischen Tönen" in Deutschland gesprochen.

Putin spielte die Differenzen herunter. "Sicher streiten wir manchmal, aber das ist keine düstere Atmosphäre", sagte er. Deutschland sei zudem der zweitgrößte Handelspartner, beziehe 40 Prozent seines Gases und 30 Prozent seines Öls aus Russland. Indirekt warf Putin Merkel vor einem bilateralen Gespräch vor, nur von außen zu urteilen. So habe man im Westen nicht die antisemitischen Aktion von Pussy Riot wahrgenommen, sagte er. Kurz vor den Regierungskonsultationen hatten fast alle Bundestags-Parteien die innenpolitische Entwicklung in Russland kritisiert.

Merkel, die mit acht Ministern und einer Wirtschaftsdelegation gereist war, bekannte sich zu der von der deutschen Wirtschaft und Putin geforderten Visa-Erleichterung mit Russland.

 
Russian President Vladimir Putin (L) walks with German Chancellor Angela Merkel during their meeting in Moscow's Kremlin November 16, 2012. REUTERS/Maxim Shemetov (RUSSIA - Tags: POLITICS)