UMP-Fehlstart nährt Spekulationen auf Sarkozy-Comeback

Dienstag, 20. November 2012, 14:15 Uhr
 

Paris (Reuters) - Frankreichs Konservative gehen tief gespalten in den Kampf um die Rückeroberung des Präsidentenamts.

Nach einem erbitterten Machtgerangel und einer von Betrugsvorwürfen begleiteten Urwahl übernimmt mit Generalsekretär Jean-Francois Cope ein Verbündeter des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy den Chefsessel der UMP. Der 48-Jährige aus dem rechten Parteilager setzte sich mit einem denkbar knappen Ergebnis gegen den zehn Jahre älteren und eher in der politischen Mitte angesiedelten Ex-Ministerpräsidenten Francois Fillon durch. Die Zerrissenheit der UMP nährt Spekulationen, Ex-Präsident Sarkozy selbst könne 2017 gegen die regierenden Sozialisten ins Rennen gehen.

Das Votum der erst 2002 von dem ehemaligen Präsidenten Jacques Chirac gegründete UMP gilt als wichtige Vorentscheidung über den Herausforderer des sozialistischen Präsidenten Francois Hollandes bei der nächsten Wahl. Cope könnte aber auch seinem politischen Mentor Sarkozy den Vortritt lassen. Sarkozy hatte in seinem eigenen Lager erklärt, er könne sich zu einem Comeback-Versuche verpflichtet fühlen, sollten die Sozialisten die Wirtschaft des Landes nicht wieder auf Kurs bringen können. Am Montagabend erhielten die Reformbemühungen Hollandes einen Rückschlag, als die US-Ratingagentur Moody's dem Euro-Land die höchste Bonitätsnote entzog.

Cope erzielte der UMP zufolge 50,03 Prozent der Stimmen. Ausschlaggebend waren demnach nur 98 der insgesamt 175.000 abgegebenen Wahlzettel. Cope kündigte an, er wolle die Partei nun wieder einen. "Meine Arme und mein Herz sind weit geöffnet", sagte er vor Anhängern in der Pariser UMP-Zentrale. Mit dieser Einstellung habe er Fillon angerufen und ihn zur Zusammenarbeit aufgefordert. Doch dieser beklagte öffentlich vor allem die Zerrissenheit des bürgerlichen Lagers. Der als weltmännisch geltende Jurist Fillon hatte versucht, jene Wähler zurückzugewinnen, die abgeschreckt von Sarkozys offensivem Regierungsstil der UMP den Rücken gekehrt hatten.

Die UMP hatte im Mai nach 17 Jahren an der Macht mit Sarkozys Niederlage den Wiedereinzug in den Pariser Elysee-Palast verfehlt. Die Wahl eines neuen Vorsitzenden sollte nun für einen Neuanfang sorgen. Doch die gegenseitigen Betrugsvorwürfe und das Chaos rund um die Abstimmung mündeten vielen Experten zufolge eher in einen Fehlstart. Der frühere Außenminister Alain Juppe warnte - wie auch einige politische Beobachter - sogar vor einem Zerfall der UMP.

 
French politician Jean-Francois Cope attends a news conference at the UMP political party headquarters after he won the leadership of France's main conseratrive party in a closely fought and divisive two-way contest in Paris November 19, 2012. REUTERS/Gonzalo Fuentes (FRANCE - Tags: POLITICS ELECTIONS)