Rebellen wollen nach Großstadt Goma ganz Kongo einnehmen

Mittwoch, 21. November 2012, 12:31 Uhr
 

Goma (Reuters) - Die Rebellen in Kongo wollen nach der Einnahme der Großstadt Goma nun das ganze in Zentralafrika gelegene Land unter ihre Kontrolle bringen.

Als nächstes sei der Einzug in die Stadt Bukavu geplant und dann der Einmarsch in die 1600 Kilometer entfernt liegende Hauptstadt Kinshasa, sagte ein Sprecher der Rebellengruppe M23 am Mittwoch. Nach Goma hätten die Rebellen bereits die Stadt Sake auf dem Weg nach Bukavu erobert, teilte eine lokale Menschenrechtsgruppe mit.

"Der Weg zur Befreiung Kongos hat begonnen", rief Rebellensprecher Vianney Kazarama in einem Stadion den versammelten Menschen in Goma zu. Nach mehrtägigen Kämpfen gegen die von UN-Truppen unterstützten kongolesischen Soldaten hatten Rebellen zuvor die an der Grenze zu Ruanda gelegene Stadt Goma erobert. Frankreich forderte daraufhin eine Überprüfung des UN-Mandats für die Demokratische Republik Kongo.

Es sei absurd, dass die UN-Soldaten die Millionenstadt nicht geschützt hätten, teilte die französische Regierung mit. In New York verabschiedete der UN-Sicherheitsrat noch am Dienstagabend einstimmig eine Resolution, in der die Eroberung Gomas verurteilt wird. Kongos Präsident Joseph Kabila soll noch im Laufe des Tages mit Ruandas Staatschef Paul Kagame zusammentreffen, hieß es aus Kreisen des Präsidialamts von Uganda. Die Regierung in Kinshasa beschuldigt das Nachbarland Ruanda, die Rebellen zu unterstützen, um an die Bodenschätze des Landes zu kommen. Kongo ist reich an Diamanten, Gold sowie dem in Handys eingesetzten Koltan. Uganda vermittelt zwischen den beiden Staaten. Bereits am Vorabend habe es Gespräche zwischen Kabila, Kagame und dem ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni gegeben.

Auch Experten der Vereinten Nationen (UN) gehen davon aus, dass Ruanda hinter dem Aufstand der Rebellengruppe M23 steht. Die UN haben in und um Goma etwa 1400 Soldaten. Ziel des Einsatzes war es auch, die Stadt zu verteidigen. Schon vor der Einnahme durch die Rebellen flüchteten viele Einwohner Richtung Grenze. Mehr als 50.000 Menschen haben Flüchtlingslager rund um Goma aufgegeben.

Die Rebellengruppe M23 besteht aus früheren Soldaten, die der Regierung in Kinshasa vorwerfen, ein Friedensabkommen aus dem Jahr 2009 zu verletzen. Diese Vereinbarung habe vorgesehen, sie in die heutige Armee einzugliedern. Die Regierung lehnte Verhandlungen mit den Rebellen ab.

Der Konflikt in Kongo schwelt schon seit Jahren. Erstmals seit dem letzten Krieg zwischen 1998 und 2003 gelang es aber den Rebellen nun, Goma zu erobern. Trotz des Einsatzes der UN leidet vor allem der Osten Kongos noch immer unter der Gewalt der Rebellen. In den zahllosen Kriegen in dem zentralafrikanischen Land sind etwa fünf Millionen Menschen ums Leben gekommen. Der Staat ist mehr als sechsmal so groß wie Deutschland.