Rebellen: Wollen den ganzen Kongo befreien

Mittwoch, 21. November 2012, 17:05 Uhr
 

Sake/Goma (Reuters) - Die Rebellen im Kongo wollen nach der Einnahme der Großstadt Goma nun das gesamte zentralafrikanische Land unter ihre Kontrolle bringen.

Als nächstes sei der Einzug in die Stadt Bukavu geplant und dann der Marsch auf die 1600 Kilometer entfernt liegende Hauptstadt Kinshasa, sagte ein Sprecher der Rebellengruppe M23 am Mittwoch. Auf dem Weg nach Bukavu eroberten die Rebellen am Mittwoch die Stadt Sake. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Einnahme Gomas. Uganda versuchte, im Konflikt zwischen Kongo und Ruanda zu vermitteln.

"Der Weg zur Befreiung Kongos hat begonnen", rief Rebellensprecher Vianney Kazarama in einem Stadion den versammelten Menschen in Goma zu. Nach mehrtägigen Kämpfen gegen die von UN-Truppen unterstützten kongolesischen Soldaten hatten Rebellen die an der Grenze zu Ruanda gelegene Stadt erobert. Die Vereinten Nationen verteidigten ihre Bemühungen: Hubschrauber hätten Hunderte Raketen abgefeuert, die Aufständischen aber nicht aufhalten können. Frankreich forderte eine Überprüfung des UN-Mandats für die Demokratische Republik Kongo. Es sei absurd, dass die UN-Soldaten die Millionenstadt nicht geschützt hätten, erklärte die französische Regierung. In New York verabschiedete der Sicherheitsrat noch am Dienstagabend einstimmig eine französische Resolution, in der die Eroberung Gomas verurteilt wird. Die Rebellen wurden aufgefordert, ihren Vormarsch zu stoppen.

In Goma war die Lage am Mittwoch ruhig. Dutzende Sicherheitskräfte liefen zu den Rebellen über. "Es ist ein Regierungsproblem, es gibt keine Lebensmittel, kein Geld", klagte etwa Rashidi Benshulungu, der bisher als Hauptmann für den Geheimdienst des Militärs arbeitete und sich nun den Rebellen anschloss.

Über den Konflikt beriet in der ugandischen Hauptstadt Kampala Kongos Präsident Joseph Kabila mit Ruandas Staatschef Paul Kagame. Die Regierung in Kinshasa beschuldigt das Nachbarland Ruanda, die Rebellen zu unterstützen, um an die Bodenschätze des Landes zu kommen. Kongo ist reich an Diamanten, Gold sowie dem in Handys eingesetzten Koltan. Uganda vermittelt zwischen den beiden Staaten. Bereits am Vorabend gab es Gespräche zwischen Kabila, Kagame und dem ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni.

Auch Experten der Vereinten Nationen (UN) gehen davon aus, dass Ruanda hinter dem Aufstand der Rebellengruppe M23 steht, was die Regierung in Kigali jedoch bestreitet. Die UN haben in und um Goma etwa 1400 Soldaten. Ziel des Einsatzes war es auch, die Stadt zu verteidigen. Schon vor der Einnahme durch die Rebellen flüchteten viele Einwohner Richtung Grenze.

Die Rebellengruppe M23 besteht aus früheren Soldaten, die der Regierung in Kinshasa vorwerfen, ein Friedensabkommen aus dem Jahr 2009 zu verletzen. Diese Vereinbarung habe vorgesehen, sie in die heutige Armee einzugliedern. Die Regierung lehnte Verhandlungen mit den Rebellen ab.

Der Konflikt in Kongo schwelt schon seit Jahren. Erstmals seit dem letzten Krieg zwischen 1998 und 2003 gelang es aber den Rebellen nun, Goma zu erobern. Trotz des Einsatzes der UN leidet vor allem der Osten Kongos noch immer unter der Gewalt der Rebellen. In den zahllosen Kriegen in dem zentralafrikanischen Land sind etwa fünf Millionen Menschen ums Leben gekommen. Der Staat ist mehr als sechsmal so groß wie Deutschland.

 
M23 rebels ride in a police truck in Goma November 21, 2012. REUTERS/James Akena (DEMOCRATIC REPUBLIC OF CONGO - Tags: CIVIL UNREST POLITICS)