UN-Klimatreffen startet mit vielen Appellen und wenig Hoffnung

Montag, 26. November 2012, 14:23 Uhr
 

Doha/Berlin (Reuters) - Mit einem Appell an die Staatengemeinschaft zu mehr Verantwortung und Kompromissbereitschaft angesichts der rapide ansteigenden Erderwärmung hat am Montag in Doha die Welt-Klimakonferenz begonnen.

Es werde eine Vereinbarung gebraucht, der sich alle verpflichtet fühlten und die wissenschaftlichen Erkenntnissen genüge tue, sagte die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, am Montag zum Auftakt des zweiwöchigen Treffens in Doha. Im Emirat Katar, das weltweit den höchsten Ausstoß an Klimagasen pro Kopf aufweist, gebe es die Chance, eine sichere und bessere Zukunft für alle Länder auf den Weg zu bringen, sagte sie. Die rund 190 Staaten wollen einen Weltklimavertrag vorbereiten, der 2015 beschlossen und 2020 in Kraft treten soll.

Allerdings liegen Industriestaaten sowie Schwellen- und Entwicklungsländer in allen zentralen Fragen weit auseinander. Bundesumweltminister Peter Altmaier mahnte zur Vorsicht: "Ich glaube, es ist besser, wenn man die Erwartungen realistisch einschätzt", sagte der CDU-Politiker dem SWR. Die USA hätten gerade eine Wahl hinter sich, die Chinesen einen Regierungswechsel. "Ich kann nicht abschätzen, inwieweit zwei der wichtigsten Länder handlungsfähig sind." China und die USA sind weltweit die größten Treibhausgas-Produzenten. Er hoffe, dass wenigstens ein Fahrplan für die nächsten drei Jahre verabschiedet werde.

Deutschland müsse weiter Vorreiter beim Klimaschutz bleiben, betonte Altmaier. "Das hat moralischen, aber auch wirtschaftlichen Druck auf andere Länder ausgeübt." Der Minister setzte sich auch erneut für eine Reform des Handels mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten in der EU ein, der derzeit nicht funktioniere. In diesem Punkt trifft er aber ebenso auf Widerstand im Wirtschaftsministerium wie in der Frage einer Erhöhung des EU-Klimaziels.

Die Grünen warfen der Regierung daher vor, Deutschland sei kein Treiber, sondern ein Bremser beim Klimaschutz. "Mit Schwarz-Gelb ist nicht nur kein Staat, sondern auch keine verantwortliche Klimapolitik zu machen", sagte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck und beantragte eine aktuelle Stunde des Bundestages zur Klimakonferenz. Auch die Linken im Bundestag appellierten an die Regierung, Deutschland müsse sich bewegen, um den Weg zu einem Erfolg in Doha zu ebnen.

Ziel der Weltstaatengemeinschaft ist, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dies gilt als gerade noch beherrschbar. Die erste Woche der Konferenz ist vor allem Umweltgruppen vorbehalten. In der zweiten Woche reisen die Umweltminister zur Konferenz an.

 
A view of the opening ceremony of the United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) in Doha November 26, 2012. REUTERS/Mohammed Dabbous (QATAR - Tags: ENVIRONMENT POLITICS)