EU vor Gesprächen über Freihandelsabkommen mit Japan

Donnerstag, 29. November 2012, 15:23 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Die Europäische Union (EU) will Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Japan aufnehmen.

Ein EU-Vertreter gab am Donnerstag per Textnachricht bekannt, das Mandat der Kommission für solche Verhandlungen mit Japan stehe. Die Kommission wirbt seit längerem für ein Abkommen mit dem zweitwichtigsten Handelspartner der EU in Asien nach China. Die EU und Japan machen zusammen rund ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung aus. Die Gespräche dürften aber wegen der Komplexität der Sache Jahre dauern.

Widerstand gegen das Projekt kommt aus der Automobilbranche. Sie fürchtet massiv Nachteile für die europäischen Hersteller. Der europäische Autohersteller-Verband ACEA teilte mit, ein Freihandelsabkommen mit Japan sei für die Automobilbranche eine "Einbahnstraße" und werde negative Folgen haben. Dies zeigten neben Studien die Erfahrungen aus dem Freihandelsabkommen mit Südkorea, das seit einem Jahr in Kraft ist. Der Verband fürchtet, dass die japanischen Autoimporte in die EU weitaus deutlicher anziehen als die EU-Exporte nach Japan. Die nötigen Produktionskürzungen in der EU würden zum Abbau von bis zu 73.000 Stellen führen, schätzt der Verband.

Vor allem Frankreich und Italien haben sich gegen solch ein Abkommen gestemmt, ebenfalls aus Angst um die heimischen Autobauer. Ein EU-Vertreter sagte, Frankreich seien Zusagen zum Schutz der nationalen Branche gemacht worden, um den Weg für die Aufnahme von Verhandlungen frei zu machen.

Die EU will über Freihandelsabkommen mit wichtigen Wirtschaftsräumen die stagnierende Nachfrage aus Europa wettmachen. Im Gespräch sind solche Abkommen auch mit Kanada oder den USA. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich vor wenigen Tagen explizit für solch ein Abkommen auch mit den USA stark.