Bundeswehr beendet 2013 Kampfeinsatz in Afghanistan

Freitag, 30. November 2012, 18:13 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Bundeswehr beendet im kommenden Jahr weitgehend ihren Kampfeinsatz in Afghanistan.

Bis Ende 2013 werde das Feldlager im nordafghanischen Kundus mit derzeit noch rund 1100 deutschen Soldaten geschlossen, kündigte das Verteidigungsministerium am Freitag in Berlin an. Der Stützpunkt OP (Observation Point) North in der Provinz Baghlan mit gut 600 deutschen Soldaten werde noch davor aufgegeben. Die beiden Stützpunkte sind die gefährlichsten Einsatzorte der Deutschen in Afghanistan, im sogenannten Kundus-Baghlan-Korridor lag in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt der deutschen Kampfeinsätze.

In Kundus und am OP North sind die beiden verbliebenen Kampfkompanien stationiert, die zusammen mit afghanischen Sicherheitskräften Einsätze ausführen. Die Afghanen sollen nach und nach allein die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land und damit auch für die Kampfeinsätze übernehmen.

Auch nach dem Abzug der deutschen Soldaten aus Kundus und vom OP North werden allerdings noch Kampftruppen der Bundeswehr vor Ort sein. Zum einen stellen sie schon heute einen Teil der Ausbilder am Hindukusch. Zum anderen sind Kampftruppen auch weiter für den Schutz des deutschen Kontingents zuständig. Auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) wird am Hindukusch bleiben. Die Nato will ihren Kampfeinsatz dort bis Ende 2014 beenden und bis dahin die Sicherheitsverantwortung komplett an die Afghanen übergeben.

Ausländische Soldaten werden auch nach 2014 noch im Land sein, aber mit einem anderen Auftrag. Ihre Aufgabe wird die weitere Beratung und Ausbildung der afghanischen Armee und Polizei sein. Die Bundeswehr wird ab 2015 möglicherweise zwei von den Deutschen gebaute Militärschulen in Masar-i-Scharif und in Kabul weiterbetreiben. Für die Gesamtstärke der neuen Afghanistan-Truppe wird mit über 10.000 Soldaten spekuliert. Derzeit sind noch rund 100.000 ausländische Soldaten in Afghanistan. Wie groß der deutsche Anteil an der verkleinerten Truppe sein wird, ist noch nicht bekannt. Seit 2002 sind im Afghanistan-Einsatz 52 deutsche Soldaten umgekommen, 34 von ihnen wurden durch Anschläge und in Gefechten getötet.

MASAR-I-SCHARIF BLEIBT ZENTRALE FÜR EINSATZ IM NORDEN

Die Bundeswehr behält nach der Schließung der beiden Camps nur noch die Verantwortung für ihr größtes Feldlager in Masar-i-Scharif, von dem aus sie den Einsatz im Norden steuert. Zudem sind deutsche Soldaten im Isaf-Hauptquartier Kabul stationiert und als Militär-Ausbilder im Camp Spann bei Masar-i-Scharif. Deutsche Fernmelder können darüber hinaus zur Unterstützung anderer Isaf-Einheiten in Kandahar und Bagram eingesetzt werden. Bereits im Oktober hatte die Bundeswehr ihr erstes größeres Feldlager in Feisabad an afghanische Sicherheitskräfte übergeben.

Im Rahmen des Abzugs soll die Zahl der deutschen Soldaten am Hindukusch bis Ende Februar 2014 auf 3300 sinken. Derzeit sind knapp 4600 Bundeswehr-Soldaten im Einsatz. Der Bundestag entscheidet im Januar über das neue Mandat.