Türkei schickt Kampfflugzeuge an Grenze zu Syrien

Montag, 3. Dezember 2012, 16:49 Uhr
 

Diyarbakir/Beirut (Reuters) - Die Türkei reagiert auf den erneuten Beschuss aus Syrien mit der Entsendung von Kampfflugzeugen an die gemeinsame Grenze.

Syrische Regierungstruppen hätten am Montag Stellungen von Rebellen in Ras al-Ain nahe der Grenze zur Türkei bombardiert, teilte die syrische Opposition mit. Dabei schlugen nach Angaben aus türkischen Sicherheitskreisen auch Geschosse in Ceylanpinar in der Türkei ein. Ob es Irrläufer der syrischen Truppen oder der Rebellen waren, blieb zunächst unklar. US-Außenministerin Hillary Clinton rechnet Regierungskreisen zufolge noch in dieser Woche mit einem Nato-Beschluss zur Stationierung von Patriot-Flugabwehrraketen in der Türkei.

In Ras al-Ain seien durch einen Beschuss seitens der Soldaten von Präsident Baschar al-Assad mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen, erklärte die Syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte. 30 Menschen seien verletzt worden. In türkischen Sicherheitskreisen hieß es, der Einschlag der Geschosse auf türkischer Seite habe unter der dortigen Bevölkerung Panik ausgelöst. Die Menschen hätten versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Die F-16-Jets seien vom Stützpunkt Diyarbakir aufgestiegen.

Die Türkei sieht sich durch den Bürgerkrieg im Nachbarland bedroht und befürchtet, dass die Assad-Regierung Chemie-Waffen einsetzt. Das Außenministerium in Damaskus teilte mit, die Regierung würde keine Chemie-Waffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzen, wenn sie über welche verfügte. Das habe Syrien wiederholt erklärt. Zuvor hatte US-Außenministerin Hillary Clinton in Prag gedroht, die USA würden auf einen Einsatz solcher Waffen reagieren.

ENTSCHEIDUNG ÜBER NATO-PATRIOTS FÜR TÜRKEI NOCH DIESE WOCHE

Die Türkei, die mit Syrien eine 900 Kilometer lange Grenze teilt, will sich auch mit Hilfe ihrer Nato-Verbündeten schützen und hat die Stationierung von Patriot-Abwehrraketen beantragt, über deren modernste Version auch die Bundeswehr verfügt. Allerdings könnten Patriots Granaten aus Syrien, die auf türkischem Boden einschlagen, nicht abfangen.

Über eine Stationierung der angeforderten Patriots könnte nach Einschätzung des US-Außenministeriums noch in dieser Woche entschieden werden. Die 28 Nato-Staaten treffen sich am Dienstag und Mittwoch in Brüssel. Der Bundestag soll noch in diesem Monat über den Einsatz entscheiden.

Alle Nato-Mitglieder prüften die Anfrage der Türkei wohlwollend, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Außenministeriums vor einem Besuch Clintons in Prag. Er erwarte in dieser Woche noch keine endgültigen Einzelheiten darüber, wie viele Raketen wo stationiert würden. Noch immer würden Einsatzorte geprüft. Die Entsendung werde wahrscheinlich noch mindestens mehrere Wochen auf sich warten lassen.

 
Syrians run for cover as smoke rises over the Syrian town of Ras al-Ain after an air strike, as seen from the Turkish border town of Ceylanpinar, Sanliurfa December 3, 2012. REUTERS/Laszlo Balogh (TURKEY - Tags: POLITICS CONFLICT)