Fußball-EM 2020 wird quer durch Europa ausgespielt

Freitag, 7. Dezember 2012, 06:59 Uhr
 

Lausanne/Berlin (Reuters) - Revolution bei der Austragung der Fußball-Europameisterschaft 2020: Der europäische Fußballverband UEFA beschloss am Donnerstag, das Turnier in zahlreichen Städten Europas auszutragen.

Bislang wurde lediglich in ein oder zwei Ländern gespielt, zuletzt 2012 in Polen und der Ukraine. "Anstelle einer Party in einem Land werden wir dann eine Party in ganz Europa haben", sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino.

UEFA-Präsident Michel Platini hatte sich bereits im Sommer aus wirtschaftlichen Gründen für das neue Konzept "EURO für Europa" ausgesprochen. Milliarden-Investitionen etwa für neue Stadien oder Straßen könnten so auf viele Länder verteilt werden, damit wäre auch kleineren Ländern eine Austragung möglich. Im Sommer war von etwa einem Dutzend Städten in ebenso vielen Ländern die Rede. Die genaue Anzahl blieb am Donnerstag zunächst aber offen wie zahlreiche andere Details des Vorhabens.

Der UEFA zufolge sollen kleine, mittelgroße und große Städte Gastgeber im Jahr 2020 sein, die sich darum bewerben sollen. Der Prozess soll im Frühjahr 2013 starten und ein Jahr später beendet sein. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) begrüßte das Vorhaben, ließ zunächst aber offen, welche Stadt Deutschland ins Rennen schicken könnte. In Medienberichten wurden Berlin und München als Favoriten gehandelt.

Platini argumentiert, bei der europaweiten Austragung verteilten sich auch die Kosten etwa für einen erforderlichen Neu- oder Ausbau eines Stadions oder der Infrastruktur. 2012 etwa hatten Polen und die Ukraine jeweils mehrere Milliarden Euro dafür ausgegeben. Auf künftige Gastgeber könnten noch höhere Kosten zukommen, weil die Zahl der EM-Teilnehmer von zuletzt 16 auf 24 bereits bei der EM 2016 in Frankreich steigt. Für das neue Konzept gibt es nach Angaben der UEFA in den Ländern viel Zustimmung.

Viele Details sind noch unklar. So müsse noch geklärt werden, wie viele Städte Gastgeber sein werden, ob sich alle gastgebenden Länder für das Turnier qualifizieren müssen und welchen Modus es bei Heim- und Auswärtsspielen für die Teams gebe. Zudem müsse diskutiert werden, wie viele Reisen den Mannschaften zuzumuten seien. All diese Themen sollten in den kommenden Monaten entschieden werden, sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino.

"Wir haben die Entscheidung (...) so erwartet und bewerten sie absolut positiv", erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Die Kommission für Nationalverbände habe nun die Aufgabe, das Konzept für die EM 2020 weiter zu entwickeln. Deutschland werde sich mit einer Stadt bewerben. Die UEFA betonte, das neue Konzept sei zunächst nur für 2020 geplant. Der Austragungsmodus für sei noch völlig offen.