Moscovici hält sich Bewerbung für Euro-Chefposten offen

Freitag, 7. Dezember 2012, 14:36 Uhr
 

Paris/Berlin (Reuters) - Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici hat mit widersprüchlichen Äußerungen den Eindruck genährt, als habe er doch Interesse an der Nachfolge von Jean-Claude Juncker als Eurogruppen-Chef.

"Ich bin kein Kandidat", sagte der Sozialist am Freitag zunächst dem Sender BFM TV. Wenig später relativierte er seine Äußerung aber: "Jede Vorfestlegung zu dem Thema wäre voreilig". Wenn der Zeitpunkt komme, über eine Nachfolge von Juncker zu entscheiden, dann werde man darüber im Kreise der Euro-Länder gemeinsam nachdenken und befinden. Alle individuellen Schritte in Hinblick auf dieses Amt seien so kurz nach Junckers Rückzugs-Ankündigung unangemessen.

Noch am Morgen hatte der Minister im Gespräch mit dem Fernsehsender die seit Tagen grassierenden Spekulationen, er könnte ein Kandidat sein, klar zurückgewiesen. Juncker hatte vor wenigen Tagen erklärt, er wolle Anfang nächsten Jahres aus seinem Amt als Chef der Euro-Gruppe ausscheiden. Der luxemburgische Regierungschef hatte dies schon vor einigen Monaten angekündigt, sich dann aber umstimmen lassen. Seinerzeit war auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble als Kandidat für das Amt genannt worden. Der CDU-Politiker hatte damals signalisiert, dass er dafür zu Verfügung stände. Inzwischen allerdings gilt diese Variante allerdings als sehr unwahrscheinlich, nicht zuletzt wegen der Bundestagswahl im kommenden Jahr.

Ob die Juncker-Nachfolge bereits beim nächsten Treffen der Euro-Finanzminister am 13. Dezember beraten wird, ist nach Angaben von Schäubles Sprecher Martin Kotthaus offen. Im Zentrum der Gespräche solle eigentlich die Freigabe von dringend benötigten Hilfekrediten für Griechenland stehen. Zu Spekulationen, wonach die Personalie erst im nächsten Jahr entschieden werden könnte, sagte Kotthaus, er gehe davon aus, dass die Staats- und Regierungschef an dieser Frage "ein gewisses Interesse haben könnten". Diese kommen in EU-Rahmen am 13. und 14. Dezember zusammen. Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert machte deutlich, wenn die Kanzlerin zu diesem Thema mit Partnern spreche, dann sicher nicht in der Öffentlichkeit.