Welt-Klimagipfel einigt sich auf Kompromissvorschlag

Sonntag, 9. Dezember 2012, 11:44 Uhr
 

Doha (Reuters) - Die fast 200 Teilnehmerstaaten des Welt-Klimagipfels haben sich auf einen Minimal-Kompromiss zur Bekämpfung der Erderwärmung geeinigt.

Sie stimmten am Samstag für eine Verlängerung des eigentlich Ende des Jahres auslaufenden Kyoto-Protokolls bis 2020. Der katarische Konferenz-Präsident Abdullah bin Hamad al-Attija hatte diesen Kompromissvorschlag zuvor gemacht, um ein Scheitern des UN-Klimagipfels in letzter Minute zu verhindern. Eine Entscheidung über eine größere finanzielle Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern wurde auf das nächste Jahr vertagt. Eigentlich sollte die zweiwöchige Konferenz in Doha am Freitag zu Ende gehen, aber die Delegationen der rund 190 Staaten haben bis Samstag um eine Einigung gerungen. Bei dem Gipfel in der Hauptstadt Katars sollte eigentlich ein Weltklimavertrag vorbereitet werden, der 2015 beschlossen und 2020 in Kraft treten sollte.

Das Kyoto-Protokoll von 1997, das nun um acht Jahre verlängert wird, ist der einzige Vertrag zur verbindlichen CO2-Minderung. Der Vertrag umfasst nicht einmal 15 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Er verpflichtet nur Industrieländer zur Reduktion. Die USA ratifizierten das Protokoll nie, Kanada stieg 2011 aus. Das Protokoll sieht vor, den jährlichen Treibhausgas-Ausstoß der Industrieländer innerhalb der sogenannten ersten Verpflichtungsperiode (2008-2012) um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren.

Umweltorganisationen und Politiker zeigten sich von dem Ergebnis des Klimagipfels enttäuscht. "Der Klimaschutz ist in Doha auf der Strecke geblieben. Die wachsweichen Beschlüsse der Konferenz leisten keinen Beitrag, um den globalen Temperaturanstieg zu bremsen", sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Ende des UN-Klimagipfels. Der Naturschutzbund NABU stieß ins gleiche Horn. "Es wurden keinerlei Beschlüsse getroffen, dass die Weltgemeinschaft künftig weniger Treibhausgase verursacht. Statt sich auf wirksame Maßnahmen zur Reduktion klimaschädlicher Emissionen zu verständigen, wurde in Doha viel heiße Luft produziert", kritisierte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte, dass die Verhandlungen in der Sache keinen nennenswerten Fortschritt für den internationalen Klimaschutz gebracht hätten.