Immer mehr Syrer fliehen vor der Gewalt in ihrer Heimat

Dienstag, 11. Dezember 2012, 14:58 Uhr
 

Genf (Reuters) - Immer mehr Menschen fliehen vor dem Bürgerkrieg in Syrien.

Über eine halbe Million Syrer haben sich nach Angaben der Vereinten Nationen in den Nachbarländern als Flüchtlinge registrieren lassen oder stehen kurz davor. Zusammen mit den noch nicht erfassten Bürgerkriegsflüchtlingen hätten schon jetzt 700.000 Syrer ihrer Heimat den Rücken gekehrt, teilte das UN-Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen am Dienstag in Genf mit. Die USA und Russland streiten weiter über die politische Zukunft von Präsident Baschar al-Assad.

Insgesamt seien knapp 510.000 Syrer in den Nachbarstaaten wie dem Libanon und der Türkei bereits registriert oder planten einen solchen Schritt, erklärte das UNHCR. Allein in Jordanien seien in den vergangenen zwei Nächten 1000 verängstigte und frierende Syrer über die Grenze gekommen. Im Schnitt hätten sich im November pro Tag 3200 Menschen gemeldet. Dazu kämen noch Zehntausende Flüchtlinge, die bislang nicht von den UN erfasst worden seien. In Jordanien betrage ihre Zahl nach staatlichen Angaben etwa 100.000. Vor dem Beginn des Bürgerkriegs lebten in Syrien etwa 20 Millionen Menschen.

Der Aufstand gegen Präsident Assad begann im März 2011 und hat sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Dabei sind schätzungsweise 40.000 Menschen getötet worden. Russland wandte sich gegen den jüngsten Vorstoß der USA, den Staatschef zum Amtsverzicht zu bewegen. Entsprechende Absichten verfolge die Regierung in Moskau nicht, berichtete die Zeitung "Kommersant". "Moskau ist überzeugt, dass Assad nicht freiwillig geht", hieß es zur Begründung. Präsident Wladimir Putin und andere führende Regierungsvertreter haben dennoch wiederholt versichert, Assad nicht zu unterstützen.

Nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste gibt es derzeit keine Hinweise, dass die Führung in Damaskus den Einsatz chemischer Waffen vorbereitet. Verteidigungsminister Leon Panetta sagte jedoch, Assad könnte im Augenblick der größten Bedrängnis durch die Rebellen auf chemische Kampfstoffe zurückgreifen. Aus der Umgebung des Flughafens in Damaskus wurden neue Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen gemeldet.

Impulse für ein Ende der Gewalt und eine politische Lösung des Konflikts erhofft sich Außenminister Guido Westerwelle vom Treffen der Freundesgruppe Syriens am Mittwoch in Marrakesh. "Unser Ziel ist, dass nach der Europäischen Union auch die 130 Staaten der Freundesgruppe ein Signal der Anerkennung an die nationale Koalition der syrischen Opposition geben", sagte Westerwelle in Berlin. Er rechne mit einer politischen Aufwertung dieser Koalition, womit ein Ansprechpartner für einen politischen Prozess zur Lösung des Konflikts bereit stehe.

In Deutschland zeichnet sich eine breite parlamentarische Mehrheit für die Stationierung von Patriot-Raketen der Bundeswehr im türkisch-syrischen Grenzgebiet ab. SPD und Grüne signalisierten ihre Zustimmung. Der Bundestag will am Freitag darüber abstimmen.

 
A Syrian refugee boy walks through mud at a refugee camp in Atimeh, on the Syrian-Turkish border of the Idlib Governorate December 10, 2012. Picture taken December 10, 2012. REUTERS/Abdalghne Karoof (SYRIA - Tags: CONFLICT SOCIETY)