Massenflucht aus Palästinenser-Lager bei Damaskus

Montag, 17. Dezember 2012, 18:29 Uhr
 

Masnaa (Reuters) - Kämpfe verfeindeter Gruppen und syrische Luftangriffe haben eine Massenflucht aus einem Palästinenser-Lager bei Damaskus in den Libanon ausgelöst.

In Bussen und mit vollbeladenen Autos passierten am Montag Hunderte Familien aus dem Lager Jarmuk die Grenze zum Nachbarland. Andere Palästinenser saßen libanesischen Sicherheitskreisen zufolge in Jarmuk fest, weil einige Straßen wegen anhaltender Kämpfe blockiert waren. Bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe waren nach Angaben von Oppositionellen mindestens 25 Menschen getötet worden. Später kam es zu Schießereien zwischen Kämpfern der Volksfront zur Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC) und syrischen Rebellen, die von anderen Palästinensern unterstützt wurden. Das PFLP-GC unterstützt Syriens Präsident Baschar al-Assad.

Vor Jarmuk gingen nach Angaben von Regierungsgegnern Panzer und Fußtruppen in Stellung, während im Inneren gekämpft wurde. Das Lager gehört zu einem Gürtel von Vororten, die sich vom Osten bis zum Südwesten der Hauptstadt erstrecken. Von dort versuchen die Rebellen immer wieder ins Zentrum der Metropole vorzudringen, wurden bislang aber von Regierungstruppen abgedrängt.

Bereits vor zwei Wochen entbrannten heftige Kämpfe zwischen Palästinensern, die Assad ergeben sind, und Rebellen. Vor den neuerlichen Gefechten brachten sich nach Schätzungen eines Flüchtlings etwa 80 Prozent der Bewohner Jarmuks in Sicherheit. Unter ihnen war nach Angaben aus Palästinenser-Kreise der Assad-treue Chef des PFLP-GC, Ahmed Dschibril.

Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas ging mittlerweile auf Distanz zu Assad, der sich selbst als Vorkämpfer für die Sache der Palästinenser sieht. In einer Erklärung der Hamas wurden die "fortwährende Aggression gegen das syrische Volk und die Angriffe auf Palästinenser-Lager in Syrien scharf verurteilt". Ähnlich äußerte sich auch die Palästinensische Befreiungs-Organisation (PLO), die Assad für die Opfer des Luftangriffs verantwortlich machte.

Assad gehört der Minderheit der Alawiten an, die der schiitischen Glaubensrichtung des Islam entsprungen ist. Die Rebellen sind überwiegend Sunniten. Sie haben in jüngster Zeit deutliche Geländegewinne verzeichnet. In dem seit März 2011 anhaltenden Konflikt sind schätzungsweise 40.000 Menschen getötet worden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an alle Seiten, die Menschenrechte zu wahren und die Zivilbevölkerung zu schützen. "Auf Zivilisten zu zielen oder Militäraktionen in dicht besiedelten Gebieten vorzunehmen in einer diskriminierenden oder unverhältnismäßigen Art ist ein Kriegsverbrechen." Insbesondere verwies er auf einen Angriff auf Alawiten, dem bis zu 200 Menschen zum Opfer fielen.

Syriens Vizepräsident Faruk al-Scharaa rechnet nicht mehr mit einem Sieg der Regierungstruppen in dem Bürgerkrieg. Weder die Armee noch die Rebellen seien in der Lage, sich entscheidend durchzusetzen, sagte Scharaa der libanesischen Zeitung "Al-Achbar". Der Sunnit gehört nicht dem inneren Machtzirkel Assads an.

- von Afif Diab

 
Free Syrian Army fighters run during clashes with forces loyal to Syria's President Bashar al-Assad in Ouwayjah village in Aleppo December 17, 2012. REUTERS/Zain Karam (SYRIA - Tags: CONFLICT)