Südkorea bekommt wohl seine erste Präsidentin

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 16:01 Uhr
 

Seoul (Reuters) - Südkorea hat Hochrechnungen zufolge erstmals eine Frau als Präsidentin gewählt.

Nach Auszählung von rund 70 Prozent der Stimmen entfielen auf die konservative Politikerin Park Geun Hye 51,6 Prozent. Ihr Rivale, der Menschenrechtsanwalt Moon Jae In, kam demnach auf 48 Prozent. Die Tochter des einstigen Machthabers Park Chung Hee würde damit wieder in den Amtssitz des Staatschefs einziehen. In den 70er Jahren diente sie dort ihrem Vater als First Lady, nachdem ihre Mutter von einem Attentäter getötet worden war. Der Mann war von Nordkorea unterstützt worden.

Park ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Sie widme ihr Leben dem Land, sagte die Politikerin, die 15 Jahre für die Saenuri-Partei im Parlament saß. Als politische Vorbilder nannte sie Bundeskanzlerin Angela Merkel und die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher.

Mit einem Einzug ins Blaue Haus, dem Sitz des Staatsoberhaupts Südkoreas, stünde sie vor zwei wichtigen Herausforderungen: dem Ausbau friedlicher Beziehungen zu Nordkorea und der Förderung der Wirtschaft, deren jahrzehntelanges Wachstum von durchschnittlich 5,5 Prozent sich zuletzt auf zwei Prozent verlangsamte.

Ihr Vater, der das Land aus den Trümmern des Koreakrieges (1950-1953) zu einem wohlhabenden Industriestaat führte, spaltet noch heute die Südkoreaner. Für viele Konservative ist er der größte Staatschef des Landes, der Südkorea rettete. Andere sehen in ihm einen Diktator, der die Menschenrechte missachtete und Andersdenkende unterdrückte.

PARK WILL DIALOG MIT NORDKOREA FÜHREN

Mit Nordkorea will Park den politischen Dialog pflegen. Sie sei bereit, mit dem dortigen Machthaber Kim Jong Un zu verhandeln, der gerade ein Jahr an der Spitze des isolierten Staates steht. Sie wolle aber auch, dass Nordkorea sein Atomwaffenprogramm aufgebe, hatte Park erklärt. Das sei eine Voraussetzung für weitere Hilfen. Die nordkoreanische Führung hat dies bislang abgelehnt.

Die beiden koreanischen Staaten befinden sich formell noch im Kriegszustand, einen Friedensvertrag gibt es nicht. Kim Il Sung, der Großvater des derzeitigen nordkoreanischen Machthabers, hatte mehrere Mordanschläge auf Parks Vater befohlen. Bei einem im Jahr 1974 wurde ihre Mutter erschossen.

Park selbst war mit Kim Jong Uns Vater, Kim Jong Il, zusammengetroffen und hatte ihn als angenehmen Gesprächspartner bezeichnet. Er scheine jemand zu sein, der sein Wort halte, sagte sie. Nordkorea schürte erst vor wenigen Tagen mit dem Start einer Rakete Sorgen vor einer Destabilisierung der Region. Außerdem verschärfte die dortige Führung ihre Rhetorik gegenüber Park. Sie hege einen Groll gegen Nordkorea und sei auf Konfrontation aus, hieß es da.

 
South Korea's presidential candidate Park Geun-hye waves to her supporters as she leaves from the headquarters of the ruling Saenuri party in Seoul, December 19, 2012. The daughter of a former military ruler took a commanding lead in South Korea's presidential election on Wednesday, putting her on track to become the country's first woman head of state. REUTERS/Kim Hong-Ji (SOUTH KOREA - Tags: POLITICS ELECTIONS)