Amnesty: Griechenland behandelt Flüchtlinge menschenunwürdig

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 18:58 Uhr
 

Athen (Reuters) - Amnesty International hat Griechenland Menschenrechtsverletzungen bei der Behandlung von Asylbewerbern vorgeworfen.

Die Regierung in Athen halte Einwanderer, darunter auch Kinder, unter unmenschlichen Bedingungen fest, kritisierte die Organisation am Donnerstag. Griechenland sei nicht in der Lage, den Tausenden von Asylsuchenden und Migranten, die jährlich ins Land kämen, auch nur ein Minium an Schutz und Sicherheit zu gewähren.

Die großen Belastungen, denen Griechenland ausgesetzt sei, dürften nicht als Entschuldigung herhalten, erklärte Amnesty. Die Menschenrechtler werfen der Regierung eine unfähige Bürokratie vor: So habe eine 2011 eingerichtete Stelle zur Prüfung von Asylanträgen aus Personalmangel noch keinen einzigen Fall behandelt. Pro Tag gelänge es in Athen lediglich 20 Menschen, einen Antrag zu stellen - Hunderte stünden aber an. Wer aufgebe, werde Opfer einer Polizeirazzia und lande in überfüllten Hafteinrichtungen.

Als besonders eklatantes Beispiel für die Behandlung von Flüchtlingen führte Amnesty den Fall eines Syrers an, dessen Schlauchboot griechische Polizisten auf einem Grenzfluss vor Erreichen der Staatsgrenze zerstochen hätten. Der aus der Türkei kommende Mann habe daraufhin zurückschwimmen müssen.

Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, prangerte eine schlechte Behandlung von Flüchtlingen in Griechenland an. "Es ist eine Schande für alle Europäer, was in Griechenland passiert", sagte Löning der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe) laut Vorabbericht. "Wenn Griechenland das Problem selbst nicht in den Griff bekommt, muss überlegt werden, ob internationale Organisationen wie das UN-Flüchtlingshilfswerk eingeschaltet werden."

Auf dem Weg in die EU ist Griechenland für Flüchtlinge aus Asien und Afrika eines der wichtigsten Eingangstore. Griechenland kämpft schon lange gegen die illegale Einwanderung und wirft anderen EU-Staaten vor, die Belastungen abzuwälzen. Den Behörden des Mittelmeerlandes ist insbesondere das EU-Regelwerk Dublin II ein Dorn im Auge. Danach ist das Land für einen Flüchtling verantwortlich, über dessen Gebiet dieser erstmals in die EU gelangte.