Syrische Regierung berät mit Russland über Friedensplan

Donnerstag, 27. Dezember 2012, 11:06 Uhr
 

Beirut (Reuters) - Die syrische Regierung will Kreisen zufolge mit Russland über Friedenspläne für das vom Bürgerkrieg erschütterte Land beraten.

Präsident Baschar al-Assad habe dafür am Mittwoch seinen Vize-Außenminister Faisal Makdad nach Moskau geschickt, sagte ein Vertreter syrischer Sicherheitskreise. Makdad solle dort über Assads jüngste Unterredung mit dem UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi sprechen. Während damit die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Konflikts eine neue Wendung nahmen, ging die Gewalt in Syrien unvermindert weiter. Im Norden des Landes wurden nach Oppositionsangaben durch Armeebeschuss 20 Menschen getötet worden, darunter mindestens acht Kinder.

Der Vertreter der syrischen Sicherheitskräfte wollte sich mit Blick auf die Russland-Diplomatie nicht dazu äußern, ob ein konkreter Friedensplan geschmiedet wird. Aus Syrien-nahen Kreisen im Libanon verlautete aber, der Vize-Außenminister solle in Moskau Rat zu einer möglichen Friedensvereinbarung einholen. Im Moskauer Außenministerium hieß es, Makdad werde am Donnerstag mit Ressortchef Sergej Lawrow und dem russischen Sondergesandten für den Nahen Osten, Michail Bogdanow, zusammenkommen. Russland hat Assad diplomatisch und militärisch unterstützt. Bogdanow selbst hatte aber Mitte Dezember eine Niederlage Assads für möglich erklärt.

LIBANON-KREISE: ZUVERSICHT IN SYRIEN NACH BRAHIMI-GESPRÄCH

Der UN-Sondergesandte Brahimi war am Montag mit Assad zusammengetroffen. Brahimi hatte dabei nach eigenen Angaben dargelegt, wie der seit 21 Monaten andauernde Konflikt zwischen Aufständischen und Regierung aus seiner Sicht beigelegt werden könne. Zu konkreten Friedensplänen hielt sich Brahimi bedeckt. Der libanesische Vertreter sagte aber weiter, nach dem Gespräch mit Brahimi habe in der syrischen Regierung Zuversicht geherrscht. Es gebe eine neue, positive Entwicklung. Genauer äußerte sich der Libanese nicht.

Am Mittwoch veröffentlichte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Internet ein Video, in dem Reihen blutverschmierter Leichen zu sehen waren. Im Hintergrund waren zudem Wehklagen von Angehörigen zu hören. Beschossen wurde den Angaben zufolge das Dorf Al-Kahtania in der Provinz Rakka. Wann der Angriff geschah, blieb zunächst unklar. In dem seit März vergangenen Jahres andauernden Aufstand sind Schätzungen zufolge bislang mehr als 44.000 Menschen getötet worden. Zugleich haben immer mehr Syrer dem Präsidenten den Rücken gekehrt.

Zuletzt lief der Chef der syrischen Militärpolizei zu den Gegnern des Präsidenten über. "Die Armee hat Städte und Dörfer zerstört sowie Massaker an der unbewaffneten Bevölkerung verübt, die auf der Straße Freiheit forderte", begründete General Abdelasis Dschassim al-Schalal in einem am Mittwoch auf YouTube veröffentlichten Video seinen Schritt. In Rebellenkreisen hieß es, Schalal sei in die Türkei geflohen. Aus syrischen Sicherheitskreisen verlautete, Schalal hätte ohnehin in einem Monat in den Ruhestand treten sollen. "Er ist nur übergelaufen, um den Helden zu spielen", hieß es.

 
Iraqi Sunni Muslims wave the old flag of Iraq during an anti-government demonstration in Ramadi, 100 km (62 miles) west of Baghdad, December 26, 2012. Tens of thousands of Sunni Muslims blocked Iraq's main trade route to neighbouring Syria and Jordan in a fourth day of demonstrations on Wednesday against Shi'ite Prime Minister Nuri al-Maliki. REUTERS/Stringer (IRAQ - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)