Russisches Parlament stoppt Adoptionen durch US-Amerikaner

Mittwoch, 26. Dezember 2012, 19:30 Uhr
 

Moskau (Reuters) - Russische Kinder dürfen nach einer Entscheidung des Moskauer Parlaments künftig nicht mehr zur Adoption in die USA vermittelt werden.

Der Föderationsrat bestätigte am Mittwoch einstimmig ein entsprechendes Gesetz, das bereits von der Staatsduma gebilligt worden war und in Kürze auch von Präsident Wladimir Putin unterzeichnet werden dürfte. Mit dem Adoptionsverbot für Amerikaner reagiert Russland auf ein US-Gesetz, das Russen unter dem Verdacht von Verstößen gegen die Menschenrechte die Einreise in die USA verbietet. Gegner des russischen Adoptionsverbotes kritisieren, dass Kinder damit Opfer diplomatischer Grabenkämpfe würden. Im vergangenen Jahr haben amerikanische Familien nach Moskauer Angaben fast 1000 russische Kinder adoptiert.

Das neue Gesetz verbietet zugleich einige von den USA finanzierte Nicht-Regierungsorganisationen - ein Bereich, in dem es in der Vergangenheit immer wieder Streit zwischen Washington und Moskau gegeben hat. Auch über den Bürgerkrieg in Syrien sowie über das Vorgehen Putins gegen Regierungsgegner liegen Russland und die USA über Kreuz. Gegen das Adoptionsverbot hat sich aber auch in der russischen Regierung überraschend Widerstand gezeigt, unter anderem weil es gegen Völkerrecht verstoßen könnte. Zu den Kritikern gehört auch Außenminister Sergej Lawrow.

Adoptionen durch Ausländer sind nach dem Fall der Sowjetunion 1991 sprunghaft angestiegen und generell ein sensibles Thema in Russland. Dort wachsen nach Regierungsangaben mehr als 650.000 Kinder ohne Vater und Mutter auf, weil sie Waisen sind oder ihre Eltern ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren. Gut 100.000 von ihnen lebten 2011 in Kinderheimen, die als chronisch überfüllt gelten.

Befürworter des Adoptionsverbotes verweisen auf rund 20 Fälle in den vergangenen zehn Jahren, in denen russische Kinder in ihren US-Adoptionsfamilien gestorben sind. Das Gesetz ist nach Dima Jakowlew benannt - einem russisches Kleinkind, das von seinem amerikanischen Adoptivvater im Auto vergessen wurde und an den Folgen eines Hitzschlags gestorben war.