Frankreich lehnt Einmischung in Zentralafrika ab

Donnerstag, 27. Dezember 2012, 14:51 Uhr
 

Bangui (Reuters) - Frankreich hat eine Unterstützung der Regierung der Zentralafrikanischen Republik im Kampf gegen Aufständische ausgeschlossen.

"Wir sind dort nur zum Schutz unserer Bürger und unserer Einrichtungen präsent, nicht zum Schutz des Regimes", sagte Präsident Francois Hollande am Donnerstag in Paris. Dessen ungeachtet bat der Präsident des afrikanischen Landes, Francois Bozize, die Regierung in Paris und die USA um Hilfe. Die Rebellen stehen nur noch rund 80 Kilometer vor der Hauptstadt Bangui. Dort waren im Laufe des Tages Gespräche zur Beilegung des Konflikts in dem rohstoffreichen Land geplant.

Keinesfalls werde Frankreich sich in die inneren Angelegenheiten eines Landes einmischen, sagte Hollande. "Diese Zeiten sind vorbei." Er hatte die in dem Land stationierten französischen Soldaten beauftragt, die Sicherheit der Botschaft zu gewährleisten. Damit reagierte Hollande auf Proteste von Rebellengegnern vor der diplomatischen Vertretung am Mittwoch, bei denen Steine geworfen wurden und einige Demonstranten sogar das Gelände betraten. Einige Demonstranten warfen Frankreich vor, die Aufständischen zu unterstützen, andere forderten das Land auf, der Armee beim Kampf gegen die Rebellen zu helfen.

Auf einem Platz in der Stadtmitte von Bangui appellierte auch Präsident Bozize an die "Vettern aus Frankreich und den USA", ihm gegen die Rebellen zu helfen. Die Aufständischen müssten auf ihre früheren Positionen zurückgedrängt werden, damit es Friedensgespräche in Gabun geben könne. Bozize ist seit einem Putsch 2003 an der Macht. In der Vergangenheit benötigte er bereits mehrmals ausländische Unterstützung, um Aufstände niederzuschlagen.

In Bangui wurden am Donnerstag Vertreter von Nachbarstaaten erwartet, um Gespräche mit der Regierung und den Rebellen aufzunehmen. Ein Rebellensprecher versicherte, die Kämpfer hätten ihren Vormarsch vorübergehend gestoppt, um einen Dialog zu ermöglichen. Die Aufständischen wollen Bozize stürzen, wenn dieser nicht ein früher vereinbartes Friedensabkommen vollständig umsetzt.

Seit der Unabhängigkeit 1960 ist das Land trotz seines Rohstoffreichtums wirtschaftlich nicht auf die Beine gekommen. Das Durchschnittseinkommen beträgt kaum mehr als zwei Dollar pro Tag. Vorkommen gibt es vor allem an Uran, Gold und Diamanten.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hat etwa 250 Soldaten auf dem Flughafen in Bangui stationiert, die einer Friedensmission angehören. Französische Offiziere dienen der Armee als Berater. Seit 1960 existiert ein Verteidigungspakt. Allerdings ist Frankreich zunehmend zurückhaltend, wenn es um die direkte Einmischung in Konflikte in ehemaligen Kolonien geht. In dem afrikanischen Land leben rund 1200 französische Staatsbürger, die meisten davon in der Hauptstadt.