Rebellen in Zentralafrika nehmen Hauptstadt ins Visier

Sonntag, 30. Dezember 2012, 15:53 Uhr
 

Bangui (Reuters) - Die Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik drohen mit der Einnahme der Hauptstadt.

Diese könne noch am Sonntag oder am Montagmorgen erfolgen, wenn Präsident Francois Bozize ihre Forderungen nicht erfülle, sagte ein Rebellensprecher. Seit Beginn ihres Aufstands vor drei Wochen hat die Allianz aus drei bewaffneten Gruppen ihren Vormarsch in der ehemaligen französischen Kolonie immer weiter vorangetrieben. Derzeit stehen die Rebellen rund 75 Kilometer von der Hauptstadt Bangui und stellen damit die bisher größte Gefahr für die knapp zehnjährige Herrschaft Bozizes dar. Sie fordern direkte Gespräche mit dem Präsidenten, der am Sonntag mit der Afrikanischen Union (AU) über die Lage beraten wollte.

Die Rebellen werfen dem ihm vor, sich nicht an eine 2007 geschlossene Vereinbarung zu halten: Bozize habe damals jenen Aufständischen, die ihre Waffen niederlegten, Geld versprochen - dies aber nicht gezahlt. Bei der Unterredung des Präsidenten mit AU-Präsident Thomas Yayi Boni soll die Grundlage für Friedensverhandlungen gelegt werden. Die Rebellen erklärten, sie warteten mit einer Entscheidung über ihr weiteres Vorgehen ab, was das Gespräch von Bozize mit Yayi Boni ergebe.

Die Aufständischen zählen nach eigenen Angaben 3000 Mann und haben wachsenden Zulauf. In die Hauptstadt vorgedrungen waren Rebellen zuletzt 2003, als Bozize selbst an die Macht kam. Seitdem benötigte er immer wieder ausländische Unterstützung, um selbst Aufstände niederzuschlagen. Doch Frankreich, von der sich das Land 1960 unabhängig erklärte, hält sich mit direkter Einmischung in seinen ehemaligen Kolonien immer mehr zurück. Präsident Francois Hollande schloss zuletzt den Einsatz französischer Soldaten zum Schutz der Regierung in Bangui aus.

Der jüngste Aufstand unterstreicht die unsichere Lage in dem Land, in dem die Armut trotz reicher Uran-, Gold- und Diamanten-Vorkommen groß ist. Die Regierung hat zudem über die Hauptstadt hinaus nur wenig Einfluss, weshalb Teile des Landes immer wieder in Konflikte von Nachbarländern wie Sudan und der Demokratischen Republik Kongo hineingezogen werden.