Nordkorea plädiert für Aussöhnung mit dem Süden

Mittwoch, 2. Januar 2013, 07:51 Uhr
 

Seoul (Reuters) - Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un hat sich überraschend für eine Aussöhnung mit dem Süden ausgesprochen.

Die Beendigung der Konfrontation sei eine wichtige Voraussetzung, um die Teilung des Landes zu überwinden und die Wiedervereinigung zu erreichen, sagte Kim in einer offenbar aufgezeichneten und am Dienstag von staatlichen Medien übertragenen Neujahrsansprache. Weil die Nachbarländer nach dem Krieg von 1950 bis 1953 keinen Friedensvertrag unterzeichnet haben, befinden sie sich rein rechtlich noch immer im Kriegszustand. "Die Geschichte der innerkoreanischen Beziehungen zeigt, dass die Konfrontation zwischen Landsleuten zu nichts als Krieg führt", erklärte Kim.

Ob der ungewohnte Tonfall wirklich eine diplomatische Entspannung einläutet, bleibt jedoch abzuwarten. Es ist nicht das erste Mal, dass das Land eine Friedenspfeife anbietet. Bislang hat es den Süden und dessen engen Verbündeten USA jedoch bei fast jeder Gelegenheit verteufelt. Erst im Dezember hatte das Land mit dem Start einer Rakete für neue Spannungen gesorgt. Experten zufolge könnte sich Nordkorea um eine Entspannung bemühen, um den Süden um wirtschaftliche Hilfe bitten zu können. "Die Äußerungen (Kims) bedeuteten nicht zwangsläufig eine substanzielle Wende in der Politik Nordkoreas gegenüber dem Süden", sagte Kim Tae Woo vom Koreanischen Institut für Nationale Wiedervereinigung.

KIM SCHWEIGT ZU ZANKAPFEL ATOMPROGRAMM

Es war die erste Neujahrsansprache eines nordkoreanischen Staatschefs seit 19 Jahren. Bislang hatte sich das Staatsoberhaupt des abgeschotteten kommunistischen Landes zu Neujahr stattdessen mit einem Leitartikel in staatlichen Zeitungen zu Wort gemeldet. Kim Jong Un übernahm nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il im Jahr 2011 die Staatsführung.

Korea ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geteilt. Mit dem Korea-Krieg wurden beide Staaten zu erbitterten Gegnern. Derzeit gibt es jedoch Hoffnungen auf eine Verbesserung der Beziehungen. So hat die designierte konservative Präsidentin des Südens, Park Geun Hye, ihre Bereitschaft erklärt, sich mit Kim Jong Un zu treffen. Zur Voraussetzung macht sie jedoch einen Verzicht des Nordens auf sein Atomprogramm, was die Regierung in Pjöngjang ablehnt. Auffallend an der Neujahrsansprache war, dass genau dieses Atomprogramm keine Erwähnung fand.

Nordkorea hatte Mitte Dezember nach eigenen Angaben mit einer Rakete einen Wettersatelliten ins Weltall befördert. Die USA und die Vereinten Nationen verurteilten den Start jedoch scharf als "hochprovokativen Akt", der gegen UN-Resolutionen verstoße.