Vergewaltigte Inderin soll Symbol gegen Gewalt werden

Sonntag, 6. Januar 2013, 14:27 Uhr
 

Neu-Delhi (Reuters) - Der Vater der vergewaltigten indischen Studentin will seine Tochter zum Symbol im Kampf gegen sexuelle Gewalt machen.

Dafür müsse die Welt ihren Namen erfahren, sagte er der britischen Zeitung "Sunday People". Er sei stolz auf seine Tochter: "Sie hat nichts Falsches getan und kam ums Leben, als sie sich schützen wollte." Die Nennung ihres Namens - was indische Gesetze verbieten - könne Opfern ähnlicher Taten Mut machen. Die Polizei steht wegen ihrer Reaktion auf das Gewaltverbrechen vor rund drei Wochen in der Kritik.

In Indien ist es untersagt, Opfer sexueller Gewalt zu identifizieren. Durch das Gesetz soll die Privatsphäre der Opfer in einem Land geschützt werden, in dem Vergewaltigungsopfer häufig sozial geächtet, Vergewaltiger aber kaum verurteilt werden. Unter Berufung auf das Regelwerk geht die Polizei gegen den Sender Zee News vor, der ein Interview mit dem Freund der 23-Jährigen sendete, die an ihren Verletzungen gestorben war. Darin warf der junge Mann der Polizei vor, erst nach 45 Minuten am Tatort eingetroffen zu sein und durch bürokratische Debatten wertvolle Zeit verschwendet zu haben. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück: Eine Streife sei bereits nach vier Minuten eingetroffen.

Fünf der sechs Beschuldigten sind des Mordes und der Gruppenvergewaltigung angeklagt. Sie sollen am Montag wieder vor Gericht erscheinen. Formal dürfte das Verfahren aber erst in mehreren Wochen beginnen, sagte Staatsanwalt Rajiv Mohan. Trotz des immensen öffentlichen Drucks dürfte das Verfahren erst innerhalb von vier bis fünf Monaten abgeschlossen sein. Ein ebenfalls beschuldigter Jugendlicher soll parallel der Prozess gemacht werden. Als Todesursache nannte der Staatsanwalt eine Blutvergiftung infolge eines mehrfachen Organversagens.

Die Physiotherapie-Studentin war in der Hauptstadt Neu-Delhi mehrfach vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und aus einem Bus geworfen worden. In dem asiatischen Land wird im Durchschnitt alle 20 Minuten eine Vergewaltigung angezeigt. Frauenrechtlerinnen zufolge kommen die meisten Fälle aber nie ans Tageslicht. Die Brutalität des Falles sorgte international für Entsetzen und löste in Indien Massenproteste sowie eine Debatte über schärfere Gesetze für Vergewaltiger aus.

- von Suchitra Mohanty und Jackie Frank