Tumult bei Anhörung im indischen Vergewaltigungsprozess

Montag, 7. Januar 2013, 15:09 Uhr
 

Neu-Delhi (Reuters) - Bei der ersten gerichtlichen Anhörung der fünf mutmaßlichen Vergewaltiger einer indischen Studentin ist es im Verhandlungssaal zu Tumulten gekommen.

Zwei Anwälte boten am Montag an, die Angeklagten, die bislang keinen Rechtsbeistand haben, in dem weltweit verfolgten Prozess zu vertreten. Daraufhin wurden sie von anderen anwesenden Juristen ausgebuht und angepöbelt, weil die Verdächtigten ihrer Meinung nach wegen der außergewöhnlichen Brutalität des Verbrechens keine Verteidigung verdienen. Die Vorsitzende Richterin ließ den voll besetzten Saal schließlich räumen und begann die Anhörung unter Ausschluss der Medien und der Öffentlichkeit, während Polizisten vor den Eingangspforten postiert wurden.

Das mittlerweile verstorbene Opfer war Mitte Dezember in einem privaten Kleinbus in der Hauptstadt Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Polizeiangaben zufolge versuchte der Fahrer des Busses anschließend, die 23-Jährige zu überfahren. Sie konnte demnach jedoch von ihrem Freund, der den Angriff überlebte, zur Seite gezogen werden. Die Frau kämpfte zwei Wochen um ihr Leben bevor sie ihren Verletzungen in einer Klinik in Singapur erlag.

Der Fall löste in ganz Indien einen Sturm der Entrüstung aus. Tausende Menschen gingen in zahlreichen Städten auf die Straße. Ihr Zorn richtete sich auch gegen die Regierung und die Polizei, denen sie vorwerfen, zu wenig zum Schutz von Frauen zu unternehmen. In Indien wird im Schnitt alle 20 Minuten eine Vergewaltigung gemeldet.

Den fünf Angeklagten wird unter anderem Mord und Gruppenvergewaltigung vorgeworfen. Staatsanwalt Rajiv Mohan sagte, er fordere die Todesstrafe. Zu der Gruppe zählt auch ein Minderjähriger, der in einem separaten Verfahren vor ein Jugendgericht gestellt werden soll. Ihm drohen maximal drei Jahre Haft. Mohan zufolge haben zwei der Angeklagten angeboten, gegen die anderen auszusagen.

Als Problem könnte sich entpuppen, dass die Verdächtigen bislang keinen Anwalt haben. Experten verweisen darauf, dass sich daraus später eine Grundlage für eine Berufung ableiten lassen könnte. In ähnlichen Fällen habe es Jahre nach dem Urteil Freisprüche gegeben. Die Juristen Manohar Lal Sharma und V. K. Anand wagten am Montag, sich für die heikle Aufgabe öffentlich anzubieten - und ernteten dafür lautstarken Widerstand ihrer Kollegen im Gerichtssaal. Dennoch pochten sie darauf, dass jeder Beschuldigte ein Recht darauf habe, verteidigt zu werden. Das Gericht forderte Anand auf, von den Angeklagten eine Einwilligung einzuholen, sich von ihm vertreten zu lassen. Die nächste Anhörung wurde für Donnerstag angesetzt.

 
A police van carrying five men accused of the gang rape and murder of an Indian student arrives at a court in New Delhi January 7, 2013. REUTERS/Stringer (INDIA - Tags: CRIME LAW CIVIL UNREST POLITICS TPX IMAGES OF THE DAY)