Wirtschaftselite fürchtet Armut und Klimawandel

Dienstag, 8. Januar 2013, 16:37 Uhr
 

London (Reuters) - Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und das extreme Wetter bereiten den führende Köpfen der Weltwirtschaft zunehmend Sorgen.

Dieses Fazit zieht die Stiftung Weltwirtschaftsforum, die alljährlich im Schweizer Skiort Davos Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik versammelt, aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage. Die rund 1000 Befragten fürchten, dass das soziale Gefälle zunimmt und die Politik nicht die Kraft für eine Trendwende aufbringt - trotz ihrer Bemühungen in Europa und den USA, die Finanzen in Ordnung zu bringen. In Kombination mit dem Klimawandel warnen sie vor einem brisanten Cocktail.

Das Weltwirtschaftsforum Ende Januar zählt zu den weltweit renommiertesten Konferenzen von Entscheidungsträgern in Ökonomie und Politik. Die Umfrage spiegele einen Vertrauensverlust in die Führungsfähigkeit der Regierungen wider, sagte der für die Studie verantwortliche Geschäftführer des Forums, Lee Howell. Wie im Vorjahr würden das Reichtumsgefälle und die Lage der öffentlichen Finanzen als größte wirtschaftliche Risiken für die Welt genannt, hinzu komme die Sorge vor extremem Wetter. "Die meisten Risiken haben sich 2012 weiter aufgebaut", sagte Howell.

So warnen die Autoren der Studie, die Instabilität der Euro-Zone werde die Weltwirtschaft auch in den kommenden Jahren beeinflussen. Zudem könne das - allerdings begrenzte Risiko - von Staatspleiten nicht vollständig ausgeblendet werden.

Deutlich gewachsen seien in den vergangenen zwölf Monaten die Sorgen wegen des Klimawandels, heißt es in dem Bericht weiter. Ein Grund dafür sei der Hurrikan "Sandy" gewesen, der im Oktober die US-Ostküste verwüstet hatte. Zugleich sei das Jahr 2012 aber auch von Dürre, Überschwemmungen und einer Rekord-Eisschmelze im Nordpolarmeer geprägt gewesen.

"Zwei Stürme - die Umwelt und die Wirtschaft - befinden sich auf Kollisionskurs", warnte John Drzik von der Strategieberatung Oliver Wyman. Wenn die Kräfte nicht gebündelt würden, um die Folgen des Klimawandels in den Griff zu bekommen, würden künftige Generationen dies mit Wohlstandsverlusten bezahlen.

Als weitere Risiken weist die Umfrage unter anderem die wachsende Immunität gegen Antibiotika und "digitale Flächenbrände" aus. Damit ist die rasante weltweite Verbreitung von Falschinformationen über das Internet gemeint.

 
Boys watch television on a street in Old Sanaa city January 7, 2013. REUTERS/Khaled Abdullah