Anwalt- Angeklagte in Indien werden sich nicht schuldig bekennen

Mittwoch, 9. Januar 2013, 13:42 Uhr
 

Neu-Delhi (Reuters) - Im Prozess um den Tod und die mehrfache Vergewaltigung einer indischen Studentin wollen drei der fünf Angeklagten auf nicht schuldig plädieren.

Das kündigte am Mittwoch ihr Anwalt an und verwies auf Fehler bei den Ermittlungen der Polizei. "Wir hören nur was die Polizei sagt. Das sind manipulierte Beweise. Es beruht alles auf der Basis von Hörensagen und Vermutungen", sagte Anwalt Manohar Lal Sharma, der einen Busfahrer als Hauptangeklagten, dessen Bruder sowie einen weiteren Mann vertritt. "Wir wissen alle wie Polizeiermittlungen in Indien laufen."

Die fünf mutmaßlichen Vergewaltiger wurden in den vergangenen Wochen ohne einen Anwalt verhört. Experten verwiesen darauf, dass dies bei einer Verurteilung der Grund für eine Berufung sein könnte. Der Jurist Sharma war bei der ersten gerichtlichen Anhörung am Montag zusammen mit einem Kollegen auf lautstarke Unmutsäußerungen im Gerichtssaal gestoßen, weil sie angeboten hatten, die Angeklagten in dem Prozess zu vertreten. Noch ist unklar, ob die beiden anderen Angeklagten einen Rechtsbeistand haben. Bei einem sechsten mutmaßlichen Täter wird gesondert ermittelt, weil noch nicht geklärt ist, ob er wie angegeben noch minderjährig ist.

Das mittlerweile verstorbene Opfer war Mitte Dezember in einem privaten Kleinbus in der Hauptstadt Neu-Delhi von mehreren Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Polizeiangaben zufolge versuchte der Fahrer des Busses anschließend, die 23-Jährige zu überfahren. Sie konnte demnach jedoch von ihrem Freund, der den Angriff überlebte, zur Seite gezogen werden. Die Frau kämpfte zwei Wochen um ihr Leben bevor sie ihren Verletzungen in einer Klinik in Singapur erlag.

Der Fall löste in ganz Indien einen Sturm der Entrüstung aus. Tausende Menschen gingen in zahlreichen Städten auf die Straße. Ihr Zorn richtete sich auch gegen die Regierung und die Polizei, denen sie vorwerfen, zu wenig zum Schutz von Frauen zu unternehmen. In Indien wird im Schnitt alle 20 Minuten eine Vergewaltigung gemeldet. Nur wenige werden strafrechtlich verfolgt.