Syrische Rebellen lassen Iraner bei Austausch frei

Mittwoch, 9. Januar 2013, 17:28 Uhr
 

Damaskus (Reuters) - Im Tausch gegen die Freilassung von mehr als 2000 zivilen Häftlingen hat Syrien die Entlassung von 48 Iranern aus der Gewalt der Rebellen erreicht.

Die Iraner trafen am Mittwoch mit sechs Minibussen im Sheraton-Hotel im Zentrum von Damaskus ein. Sie schienen müde, aber bei guter Gesundheit zu sein und wurden vom iranischen Botschafter begleitet. Die Rebellentruppe Al-Baraa hatte die Iraner im August gefangengenommen und ursprünglich ihre Hinrichtung angekündigt. Nach ihrer Darstellung sind die Iraner Angehörige der Revolutionsgarde, die zur Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in das Land geschickt worden waren. Der Iran bezeichnete die Landsleute als Pilger, die schiitische Heiligtümer besuchen wollten.

Die türkische Hilfsorganisation IHH erklärte, unter den von der Freilassung betroffenen Häftlingen seien vor allem Syrer, aber auch einige Türken sowie andere Ausländer. Eine Bestätigung der syrischen Regierung gab es zunächst nicht. Einem Bericht der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anatolien zufolge wurde der Austausch von der Türkei und Katar vermittelt. Die Organisation IHH wurde im Mai 2010 bekannt, als sie versuchte, mit einem Schiff die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Bei der Erstürmung ihres Schiffes durch israelische Soldaten waren neun Türken getötet worden.

Russland und die USA wollen einem Medienbericht zufolge am Freitag in Genf mit den internationalen Gesandten Lakhdar Brahimi neue Gespräche über den Syrien-Konflikt führen. Die Nachrichtenagentur Interfax berief sich auf den russischen Vize-Außenminister Michail Bogdanow. Es wäre das dritte derartige Treffen innerhalb von zwei Monaten. Die Regierungen in Moskau und Washington unterstützen zwar beide Brahimis Versuche, ein Ende des seit fast 22 Monaten anhaltenden Bürgerkriegs herbeizuführen. Allerdings sind sie sich uneins, ob ein Rücktritt von Präsident Assad eine Bedingung für Verhandlungen sein sollte, wie es die Rebellen verlangen.

In dem Konflikt sind schätzungsweise mehr als 60.000 Menschen getötet worden. Die Vereinten Nationen warnten am Dienstag, dass etwa eine Million Syrer Hunger litten, weil sie von der Versorgung abgeschnitten seien. Zudem sind Hunderttausende Bürger vor den Kämpfen ins Ausland geflohen. Während einige Staaten wie die Türkei und Jordanien für sie Lager errichtet haben, sind die Menschen besonders im benachbarten Libanon oft auf sich selbst angewiesen. Hier ist die Bevölkerung ähnlich wie in Syrien in verschiedene, zum Teil feindlich gesinnte Gruppen gespalten. Die Zahl der syrischen Flüchtlinge im Libanon beträgt knapp 190.000 und entspricht damit inzwischen fast fünf Prozent der Bevölkerung.

 
Iranians released by Syrian rebels arrive at a hotel in Damascus January 9, 2013. Forty eight Iranians released by Syrian rebels in exchange for the release of more than 2,000 civilian prisoners held by the Syrian government arrived at the Sheraton hotel in central Damascus on Wednesday, a Reuters witness said. The men were accompanied by the Iranian ambassador to Syria and arrived in six small buses, looking tired but in good health. REUTERS/Khaled al-Hariri (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)