Mutmaßlicher Vergewaltiger erhebt Folter-Vorwürfe gegen Polizei

Donnerstag, 10. Januar 2013, 14:14 Uhr
 

Neu-Dehli (Reuters) - Im Vergewaltigungs- und Mordprozess in Indien hat einer der fünf Angeklagten Folter-Vorwürfe gegen die Polizei erhoben.

Dessen Anwalt gab am Donnerstag bekannt, sein Mandant werde seine Verteidigung auf die Brutalität der Polizei konzentrieren und auf nicht schuldig plädieren. Der Angeklagte sei in Haft von der Polizei gefoltert worden und dies verstoße gegen das Gesetz, sagte der Anwalt. Die fünf Angeklagten erschienen am Donnerstag erneut vor Gericht. Die Sitzung war aber nichtöffentlich. Nach Angaben ihrer Anwälte wollen insgesamt mindestens vier der fünf Angeklagten auf nicht schuldig plädieren. Ein sechster mutmaßlicher Täter ist bislang wegen der Unklarheit über sein genaues Alter nicht angeklagt. Er muss womöglich vor ein Jugendgericht.

Die Männer sind wegen Gruppenvergewaltigung und Mordes an einer 23-jährigen Inderin angeklagt. Sie hatten ihr Opfer im Dezember in Neu-Delhi in einem fahrenden Bus im Beisein ihres Freundes vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und dann verletzt aus dem Fahrzeug geworfen. Polizeiangaben zufolge versuchte der Fahrer des Busses anschließend, die 23-Jährige zu überfahren. Sie konnte demnach jedoch von ihrem Freund, der den Angriff überlebte, zur Seite gezogen werden.

Die Frau starb zwei Wochen später an ihren schweren Verletzungen in einem Krankenhaus in Singapur. Der Vorfall hat in Indien Massenproteste gegen die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen ausgelöst.

Die Staatsanwaltschaft hat die Todesstrafe für die Angeklagten gefordert. In den ersten Tagen nach ihrer Anklage hatten die Männer keinen juristischen Beistand, weil sich niemand dazu bereit erklärte hatte. Dies könnte nun zum Fallstrick für die Staatsanwaltschaft werden. In jenen Tagen führte die Polizei intensive Befragungen - ohne Anwälte. Die Polizei hatte mitgeteilt, umfassende Geständnisse erhalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte gesagt, es liege eine Menge Beweismaterial vor, Aussagen und DNA-Material von den blutigen Kleidern des Opfers. Juristen können sich aber vorstellen, dass der fehlende juristische Beistand in den ersten Tagen ausreichend für eine Berufung im Falle eines Schuldspruchs sein könnte.