Drei Kurden-Vertreterinnen in Paris erschossen

Donnerstag, 10. Januar 2013, 17:58 Uhr
 

Paris/Istanbul (Reuters) - Der gewaltsame Tod dreier Kurdinnen mitten in Paris hat am Donnerstag in Frankreich für Entsetzen gesorgt.

Innenminister Manuel Valls sprach von einer regelrechten Hinrichtung. Die Frauen waren kurz nach Mitternacht erschossen in den Räumen des Kurdischen Instituts aufgefunden worden, das eng mit der militanten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist. Eines der Opfer war PKK-Gründungsmitglied. Die Behörden nahmen Mordermittlungen auf. Unklar blieb zunächst, wer für die Tat verantwortlich ist. Die von der Europäischen Union (EU) als Terror-Organisation eingestufte PKK kämpft seit Jahrzehnten gewaltsam für mehr Autonomie der Kurden. Die Türkei verhandelt inzwischen mit dem inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan.

"Seien Sie versichert, dass die französischen Behörden diesen unerträglichen Taten entschlossen auf den Grund gehen werden", sagte Innenminister Valls am Tatort. Auch die Anti-Terror-Einheit sei eingeschaltet worden. Die Opfer seien offenbar mit Kopfschüssen umgebracht worden, hieß es bei der Pariser Polizei. Kurdische Medien berichteten, einer der Frauen sei auch in den Bauch geschossen worden. Die Opfer hatten laut französischer Polizei die türkische Staatsangehörigkeit. Unter ihnen ist auch Sakine Cansiz, die die PKK mit aus der Taufe gehoben hat. Eine weitere Tote sei Leiterin des Kurden-Zentrums in Paris gewesen, sagte Valls.

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan sagte, noch sei es zu früh für Schuldzuweisungen. Es könne sich um eine interne Auseinandersetzung handeln, sagte er bei einem Besuch im Senegal. "Wir befinden uns in einem Kampf gegen den Terrorismus ... aber es gibt Leute, die dies nicht wollen. Es könnte sich um einen Akt der Provokation durch diese Leute handeln".

GRABENKÄMPFE UM FRIEDENSVERHANDLUNGEN MIT DER TÜRKEI?

"Das ist ohne Zweifel ein politisches Verbrechen", sagte Remzi Kartal vom Kurdischen Nationalkongress, der die Organisationen der Volksgruppe in Europa unter einem Dach vereint. Er verwies auf die Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und dem inhaftierten PKK-Chef Öcalan. "Es gibt Kräfte, die diesen Friedensprozess torpedieren wollen." Die Annäherung dürfte Spannungen innerhalb der Kurden-Bewegung über Bedingungen für einen Friedensschluss ausgelöst haben.

In der Türkei wurde in den Medien und in der Regierungspartei AK vermutet, dass die Frauen Opfer PKK-interner Streitigkeiten geworden sind. Die pro-kurdische Oppositionspartei Frieden und Demokratie verurteilte die Tat und rief zu Protesten auf. In der Menschenmenge hinter den Polizeireihen in Paris waren Fahnen mit Öcalan-Bild zu sehen.

In der PKK hat es immer wieder Grabenkämpfe gegeben. Die in der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestufte Gruppe kämpft seit den 80er Jahren im Südosten der Türkei für eine größere Autonomie der Kurden. Dabei sind rund 40.000 Menschen getötet worden.

 
Members of the Kurdish community shout slogans as they gather in front of the entrance of the Information Centre of Kurdistan in Paris, where three Kurdish women were found shot dead, January 10, 2013. REUTERS/Christian Hartmann (FRANCE - Tags: POLITICS CRIME LAW CIVIL UNREST)