Türkei will Erklärung für Hollande-Kontakte zu getöteter Kurdin

Samstag, 12. Januar 2013, 15:36 Uhr
 

Istanbul (Reuters) - Die türkische Regierung verlangt von Frankreichs Präsident Francois Hollande eine Erklärung für dessen Kontakte zu einer der in Paris getöteten Kurdinnen.

Hollande müsse umgehend öffentlich den Hintergrund der Begegnungen erläutern, forderte Ministerpräsident Tayyip Erdogan am Samstag. "Was für eine Art Politik ist das?", fragte er bei einer live im Fernsehen übertragenen Rede vor Unternehmern und an die Adresse Hollandes gerichtet. Der französische Präsident hatte am Donnerstag vor Journalisten gesagt, eine der getöteten Frauen sei ihm und vielen Politikern bekannt gewesen, weil sie regelmäßig Treffen initiiert habe. Alle drei Opfer hatten Verbindungen zur militanten PKK, die von der EU als Terrorgruppe betrachtet wird.

"Wie können Sie sich regelmäßig mit Mitgliedern einer als Terrorgruppe eingestuften Organisation treffen, die von Interpol gesucht werden?", fragte Erdogan. Der französische Präsident müsse umgehend offenlegen, warum es zu diesen Begegnungen gekommen sei, was dabei besprochen wurde und welchem Ziel sie gedient hätten. Er drohte rechtliche Maßnahmen an, die er aber nicht näher spezifizierte. Unter den Opfern war auch das PKK-Gründungsmitglied Sakine Cansiz, die in der Politik der Kurden in Europa eine zentrale Rolle gespielt hat.

Erdogan forderte die französischen Behörden auf, schnellstmöglich die Verantwortlichen zu fassen und die Hintergründe der Tat aufzuklären. Die Frauen waren am Donnerstag mitten in Paris erschossen in den Räumen des Kurdischen Instituts aufgefunden worden, das eng mit der PKK verbunden ist. Der türkische Regierungschef wies Anschuldigungen kurdischer Rebellen und Aktivisten zurück, die Türkei stecke hinter der Tat. Vielmehr könnten die Frauen Opfer einer PKK-internen Fehde geworden sein oder eines Versuchs, die jüngsten Friedensbemühungen zu torpedieren, sagte Erdogan.

Die Türkei verhandelt derzeit mit Abdullah Öcalan, dem inhaftierten Chef der PKK. Die PKK kämpft seit Jahrzehnten gewaltsam für mehr Autonomie der Kurden in der Türkei.