Zehntausende Russen protestieren gegen US-Adoptionsverbot

Sonntag, 13. Januar 2013, 16:16 Uhr
 

Moskau (Reuters) - Zehntausende Russen haben am Sonntag in Moskau gegen das umstrittene Adoptionsverbot für US-Bürger demonstriert.

Trotz eisiger Kälte gingen nach Angaben von Augenzeugen mindestens 40.000 Menschen auf die Straße, um ihrem Ärger Luft zu machen. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 9500. "Putin ist ein Kindermörder" oder "Russland ohne Putin" riefen die Demonstranten. Viele hielten Fotos Duma-Gefolgsleuten des Präsidenten in die Höhe. Darauf hatten sie "Schande" geschrieben. Seit dem 1. Januar ist es US-Bürgern per Gesetz verboten, russische Kinder zu adoptieren. Russland reagierte damit auf ein US-Gesetz, das Russen die Einreise in die USA untersagt, wenn es gegen sie Verdacht von Verstößen gegen die Menschenrechte gibt.

Leidtragende der angespannten Beziehungen zwischen den beiden Staaten seien die Kinder, bemängelten Kritiker von Präsident Wladimir Putin. "Ohne Adoption haben diese Kinder keine Chance", sagte Dmitri Belkow, einer der Organisatoren des Protestes. "Durch dieses Gesetz werden diese Kinder schlechter behandelt als Tiere in anderen Ländern." Für Amerikaner habe das Adoptionsverbot keine besonderen Konsequenzen. Sie könnten auch Kinder aus anderen Ländern ein Zuhause bieten, begründete Maria Wolodko ihre Teilnahme an der Demonstration. "Aber für unsere Kinder gibt es keine Hoffnung. Unser Land richtet seine Rache immer gegen die schwächsten und macht ihnen das Leben noch schwerer."

Der Sprecher Putins äußerte Verständnis für die Sorge um russische Waisenkinder. Aber der Staat unternehme alles, um deren Lebenssituationen zu verbessern. Forderungen nach Auflösung der Duma seien da wenig konstruktiv.

Adoptionen durch Ausländer sind nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 sprunghaft angestiegen und generell ein sensibles Thema in Russland. Dort wachsen nach Regierungsangaben mehr als 650.000 Kinder ohne Vater und Mutter auf, weil sie Waisen sind oder ihre Eltern ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren. Gut 100.000 von ihnen lebten 2011 in Kinderheimen, die als chronisch überfüllt gelten. Im vergangenen Jahr haben US-Familien nach Angaben der Moskauer Regierung fast 1000 russische Kinder adoptiert. Befürworter des Adoptionsverbots verweisen auf rund 20 Fälle in den vergangenen zehn Jahren, in denen russische Kinder in ihren US-Adoptionsfamilien gestorben sind.

 
Opposition supporters take part in a protest march in Moscow, January 13, 2013. Thousands of demonstrators gathered for a march in Moscow on Sunday to protest against a ban on Americans adopting Russian children, saying President Vladimir Putin's government had made orphans pawns in a political dispute. The boards display portraits of deputies of the Russian State Dume and read, "Shame! March against scoundrels". REUTERS/Sergei Karpukhin (RUSSIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)