Opposition wirft syrischer Regierung Massaker vor

Donnerstag, 17. Januar 2013, 15:15 Uhr
 

Beirut (Reuters) - Bei einem Massaker in Syrien sollen der Opposition zufolge mehr als 100 Menschen erschossen, erstochen oder verbrannt worden sein.

Die syrische Beobachterstelle für Menschenrechte erklärte am Donnerstag, Soldaten oder regierungstreue Milizen hätten vor wenigen Tagen am Stadtrand von Homs den verarmten Bezirk Basatin al-Hasawija gestürmt. Unter den insgesamt 106 Toten seien auch Frauen und Kinder. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben lag nicht vor.

Der Fall weckt Erinnerung an ein Massaker in der Stadt Hula im Mai 2011. Der Ort liegt ebenfalls in der Provinz Homs und war Schauplatz einer Massentötung von 108 Menschen, die nach Einschätzung von UN-Beobachtern auf das Konto der Armee und regierungsnahen Milizen ging. Im aktuellen Fall liegen der Beobachterstelle nach eigenen Angaben die Namen von 14 Mitgliedern einer Familie vor sowie Informationen über weitere Familien vor, die komplett ausgelöscht worden sein sollen. Der Chef der Beobachterstelle, der Exil-Syrer Rami Abdelrahman, forderte eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen.

Ein Regierungsgegner deutete an, die Bewohner der Stadtteils könnten durch ihre Unterstützung für die oppositionelle Freie Syrische Armee den Zorn der Regierungstruppen auf sich gezogen haben. Der Rebellen hätten Felder im Bezirk für Angriffe auf eine nahe gelegene Militärkaserne nutzen dürfen. Die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad hätten die Zivilisten bestraft, weil sie den Aufständischen Zugang gewährten, sagte der Mann, der seinen Namen mit Abu Jazen angab. Einige der Opfer seien nach der Tötung verbrannt worden - ein laut Oppositionellen typisches Vorgehen der gefürchteten Schabbiha-Miliz.

Der regierungsnahen Miliz werden zahlreiche Tötungen und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Allerdings ist unklar, ob Assad noch die Kontrolle über die gesamte Gruppierung hat. Sie setzt sich vor allem aus Alawiten zusammen, zu denen auch der Staatschef gehört. In Homs ist zu schweren Zusammenstößen zwischen Alawiten und Sunniten gekommen, die den Aufstand mehrheitlich tragen. Zu Beginn der Revolte vor rund zwei Jahren begannen die ersten größeren Proteste in der zentralsyrischen Stadt. Durch den Beschuss der Armee kamen Tausende Bewohner ums Leben. In dem Bürgerkrieg sind nach UN-Schätzungen mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen. Auch der Opposition werden Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen.

 
A Free Syrian Army fighter looks at houses destroyed by the Syrian Air force at a suburb of Damascus January 16, 2013. REUTERS/Goran Tomasevic (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)