Oppositioneller Geistlicher in Pakistan sagt Proteste ab

Donnerstag, 17. Januar 2013, 18:28 Uhr
 

Islamabad (Reuters) - Der Streit zwischen der pakistanischen Regierung und dem Geistlichen Muhammad Tahirul Qadri ist offenbar beigelegt.

Er werde zu einem Ende der Straßenproteste aufrufen, kündigte der Oppositionelle am Donnerstag nach Beratungen mit der Regierung an. Tausende seiner Anhänger kampieren seit Montag in der Innenstadt von Islamabad und verlangen den sofortigen Rücktritt des Kabinetts und die Bildung einer Übergangsregierung. Entlastung erhielt die unter Druck stehende Regierung auch von der Anti-Korruptionsbehörde. Sie wies einen vom Obersten Gerichtshof gegen Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf ausgestellten Haftbefehl zurück.

Nach der Unterschrift des Ministerpräsidenten werde er die Vereinbarung seinen Anhängern bekanntmachen, sagte Qadri. Welche Zugeständnisse er erreichte, blieb zunächst offen. Vor dem Treffen mit den Regierungsvertretern hatte Qadri das Gespräch mit der Regierung als sein letztes friedliches Angebot bezeichnet.

Der Streit hatte Befürchtungen geschürt, die Armee, die sich oft in die Politik eingemischt hat, könne hinter den Aktivitäten Qadris stehen. Beide Seiten haben dies jedoch dementiert. 1999 unterstützte Qadri, der erst vor einigen Wochen aus Kanada in sein Land zurückkehrte, einen Militärputsch. Jetzt fordert er, dass die Streitkräfte an der Bildung einer Übergangsregierung beteiligt werden müssten. Seine Popularität verdankt Qadri zum einen seiner religiösen Wohlfahrtseinrichtung, die Büros in 80 Ländern unterhält. Zum anderen sind viele Pakistaner wenige Monate vor Neuwahlen von ihrer Regierung enttäuscht. Nach ihrer Ansicht ist sie dabei gescheitert, die Wirtschaft wieder anzukurbeln sowie den Extremismus und die Armut im Land zu bekämpfen.

Trotz eines vom Obersten Gerichtshof ausgestellten Haftbefehls befand sich Ministerpräsident Ashraf weiter auf freiem Fuß. Die zuständige Behörde erklärte, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Dem Regierungschef wird vorgeworfen, während seiner Zeit als Energieminister Bestechungsgeld kassiert zu haben.