Ägyptens Präsident für größere Rolle Deutschlands in Nahost

Samstag, 19. Januar 2013, 12:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der ägyptische Präsident Mohamed Mursi hat sich für mehr Engagement Deutschlands im Nahen Osten ausgesprochen.

"Ich wünsche, dass die deutsche Rolle in Ägypten und im Nahen Osten größer wird - wirtschaftlich und politisch, um zu Stabilität und zu Frieden in der Region beizutragen", sagte Mursi in einem am Samstag veröffentlichten Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Deutschland habe viel zu bieten, was Ägypten nutzen könne: Wissenschaft, Technologie, eine stabile Wirtschaft. "Andererseits hat auch Ägypten viel anzubieten, was Deutschland nutzen kann: etwa als Standort für Investitionen", sagte Mursi, der Ende Januar zu einem Staatsbesuch in Deutschland erwartet wird.

Zugleich versuchte Mursi, der den islamistischen Moslembrüdern nahesteht, Bedenken zu zerstreuen, dass sich Ägypten zu einem Gottesstaat entwickeln könnte. "Wir glauben nicht an einen Gottesstaat", sagte er. "Der Staat, an den wir glauben, ist ein moderner Staat, in dem die Machtübergabe friedlich verläuft, in dem Demokratie und Freiheiten herrschen, in dem die Opposition und soziale Gerechtigkeit respektiert werden." Der Präsident betonte zugleich, dass Frauen in diesem Staat "zu hundert Prozent gleich" seien. Das garantiere die neue ägyptische Verfassung. Frauen werden "respektiert und haben alle Rechte von Männern - manchmal sogar mehr", sagte er.

In seiner Außenpolitik strebe Ägypten "ausgeglichene Beziehungen zu allen Staaten der Welt an". Das bedeute auch, "dass wir uns nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischen", sagte er. Auf die Lage in Syrien angesprochen erklärte Mursi: "Wir versuchen, zunächst das Blutvergießen zu beenden. Dann können die Syrer ihr Haus selbst aufräumen." Darin habe das jetzige Regime aber keinen Platz mehr, bekräftigte er einen schon früher geäußerten Standpunkt.

 
Egyptian President Mohamed Mursi talks with U.S. Senator John McCain (not seen) during their meeting in Cairo January 16, 2013. REUTERS/Asmaa Waguih (EGYPT - Tags: POLITICS)