Kanadische Extremisten bei Sahara-Geiseldrama getötet

Montag, 21. Januar 2013, 15:40 Uhr
 

Algier (Reuters) - Nach dem Geiseldrama in der algerischen Erdgasanlage sind dort wohl auch zwei kanadische Islamisten tot aufgefunden worden.

Persönliche Dokumente hätten sie als Kanadier ausgewiesen, sagte ein Vertreter der algerischen Sicherheitskräfte am Montag. Zudem wurde bekannt, dass auch neun japanische Geiseln umkamen. Insgesamt starben damit mindestens 80 Menschen, nachdem algerische Truppen die Fabrik gestürmt und so die tagelange Geiselnahme mitten in der Sahara beendet hatten. Die mutmaßlichen Drahtzieher der Tat drohten mit weiteren Angriffen dieser Art. Sie fordern von westlichen Ländern wie vor allem Frankreich ein Ende des Einsatzes gegen ihre Gesinnungsgenossen im benachbarten Mali.

Das kanadische Außenministerium erklärte am Montag, es werde sich nach den jüngsten Berichten um Detailinformationen bemühen. In Algerien durchsuchte ein Sonderkommando weiter den Industriekomplex, der Schauplatz des jüngsten Geiseldramas geworden war - auf internationaler Ebene eine der schwersten Krisen dieser Art seit Jahrzehnten. Nach Informationen aus algerischen Sicherheitskreisen fanden die Soldaten schon am Sonntag die Leichen von insgesamt 25 Geiseln, womit die Zahl der getöteten Geiseln auf insgesamt 48 gestiegen sei.

Bei dem viertägigen Geiseldrama kamen auch Arbeiter aus den USA, aus Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Rumänien sowie von den Philippinen ums Leben oder gelten noch als vermisst. Mehr als 700 algerische Arbeiter und mehr als 100 ausländische Mitarbeiter konnten entkommen. Islamisten hatten die Anlage am Mittwochmorgen gestürmt und ein Ende des französischen Militäreinsatzes in Mali gefordert.

Die mutmaßlichen Drahtzieher halten an ihren Forderungen fest. Andernfalls drohten weitere Aktionen dieser Art, erklärte die mit Al-Kaida verbündete Mulathameen-Brigade dem Beobachtungsdienstes Site zufolge im Internet. Die Gruppe hatte sich zuvor zu der Geiselnahme bekannt, die bald nach den ersten Luftangriffen Frankreichs auf islamistische Kämpfer im Norden Malis begann. Der Militäreinsatz wird inzwischen von zahlreichen westlichen Staaten unterstützt, darunter Deutschland.

Weitere Einzelheiten zum Ablauf der Geiselnahme wurden im Laufe des Tages vom algerischen Ministerpräsidenten Abdelmalek Sellal erwartet. Eine algerische Zeitung berichtete, die Geiselnehmer hätten die Anlage in Fahrzeugen mit libyschem Kennzeichen erreicht.

 
An Algerian soldier stands at a checkpoint near a road sign indicating 10 km (6 miles) to a gas installation in Tigantourine (sometimes spelled Tiguentourine), the site where Islamist militants have been holding foreigners hostage according to the Algerian interior ministry, in Amena January 19, 2013. REUTERS/Ramzi Boudina (ALGERIA - Tags: ENERGY POLITICS CIVIL UNREST MILITARY)