Deutschland will Finanzhilfen im Mali-Konflikt ausweiten

Dienstag, 22. Januar 2013, 19:10 Uhr
 

Berlin/Bamako (Reuters) - Deutschland will mehr Geld für den Kampf gegen Islamisten in Mali ausgeben, lehnt aber die Entsendung von Bodentruppen nach Afrika weiterhin ab.

Nach französischen Angaben sollen bei einer Geberkonferenz für den Einsatz afrikanischer Truppen in Mali kommende Woche 340 Millionen Euro eingesammelt werden. Geplant sei, damit die Ausbildung der malischen Armee und eine afrikanische Eingreiftruppe zu finanzieren, sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums am Dienstag in Paris.

In Berlin erklärte der französische Präsident Francois Hollande bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel, er wisse, dass Deutschland bei der Geberkonferenz einen Beitrag leisten werde. Merkel selbst verwies lediglich darauf, dass es bei der Konferenz in Addis Abeba um die Finanzierung des Einsatzes von Truppen des westafrikanischen Staatenbündnisses Ecowas sowie der Ausbildung der malischen Armee gehe.

In der Region bereiteten Frankreich und afrikanische Truppen den Einmarsch im von Islamisten beherrschten Norden des Landes vor. Truppen aus dem Tschad wurden an Nigers Grenze zu Mali verlegt. Die USA begannen mit dem Transport von Soldaten und Material von Frankreich in das westafrikanische Land.

Bei einem Treffen der deutschen und französischen Regierungen aus Anlass des 50. Jahrestages des Elysee-Vertrages erklärte Merkel, Deutschland stehe im Mali-Konflikt mit Frankreich zusammen. "Wir wissen das, dass das eine schwierige militärische Mission ist, die Frankreich im Augenblick erfüllt für uns alle." Einen Einsatz der deutsch-französischen Brigade in Mali lehnte die Kanzlerin ab. In der Vergangenheit hatten auch Unionspolitiker kritisiert, Deutschlands Beitrag in Mali sei zu gering.

HOLLANDE DANKT FÜR POLITISCHE SOLIDARITÄT

Hollande dankte der Kanzlerin dafür, dass sie unmittelbar nach der Entscheidung für den Einsatz französischer Truppen in Mali politische Solidarität gezeigt und materielle Hilfe geleistet habe. Ziel des Einsatzes des französischen Militärs sei es, den Afrikanern zu helfen, die Stabilität in Mali wiederherzustellen. Frankreich hatte vor elf Tagen mit Luftangriffen in Mali begonnen, um den Vormarsch islamistischer Milizen auf die Hauptstadt Bamako im Süden des Landes zu stoppen. Mittlerweile sind 2150 französische Soldaten in Mali. Hollande fordert eine rasche Unterstützung der französischen Kräfte durch Truppen afrikanischer Staaten.

Ein Teil dieser afrikanischen Truppen wird vom Tschad gestellt. Deren Soldaten gelten als besonders erfahren im Wüstenkampf. Am Dienstag wurden tschadische Einheiten an die Grenze zu Mali in Niger verlegt. Zusammen mit nigerischen Truppen sollen die Soldaten aus dem Tschad in den Norden Malis vorrücken und die Stadt Gao einnehmen.

Frankreich will den Kampf gegen die Islamisten der afrikanischen Eingreiftruppe übertragen. Allerdings scheiterte deren Bereitstellung bislang an fehlendem Geld, mangelnder Versorgung und ungenügender Ausbildung. Rund tausend Ecowas-Soldaten und Truppen aus dem Tschad sind bereits in Mali. Die Interventionskräfte sollen auf 5000 Mann aufgestockt werden.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan kündigte an, Soldaten seines Landes sollten in Mali bleiben, bis eine demokratisch gewählte Regierung im Amt sei. Nigeria will sich mit 1200 Soldaten an der afrikanischen Truppe beteiligen.

Die US-Luftwaffe flog am Dienstag französische Soldaten nach Bamako. Ein Sprecher der US-Armee erklärte, seit Montag werde die französische Armee mit den Lufttransporten unterstützt. Nach französischen Angaben beteiligen sich auch Großbritannien, Belgien, Kanada und Dänemark an den Transporten. Deutschland hat zwei Transall-Maschinen in die Region gesandt, um damit Ecowas-Truppen zu verlegen.

 
A Malian soldier holds papers next to a wall pockmarked with bullet holes after searching through debris at a Malian military camp in Diabaly, Mali, January 21, 2013. REUTERS/Joe Penney