Menschenrechtler - Syrische Rebellen plündern Kirchen

Mittwoch, 23. Januar 2013, 14:13 Uhr
 

Beirut/Moskau (Reuters) - Der Bürgerkrieg in Syrien wird nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zunehmend zu einer Auseinandersetzung zwischen den Religionsgruppen.

Die überwiegend sunnitischen Rebellen hätten wichtige Religionsstätten von Minderheiten zerstört, erklärte die Gruppe mit Sitz in New York am Mittwoch. In der nördlichen Provinz Idlib sei eine schiitische Husseinija - eine dem Märtyrer Hussein gewidmete Gedenkstätte - verwüstet und in der westlichen Latakia-Region seien zwei Kirchen geplündert worden. Präsident Baschar al-Assad gehört der aus der schiitischen Glaubensrichtung des Islam hervorgegangenen Gemeinschaft der Alawiten an.

Angesichts der seit 22 Monaten anhaltenden Gewalt geht Syriens Verbündeter Russland davon aus, dass eine friedliche Lösung des Konflikts nicht erreicht werden kann, solange die Opposition den Rücktritt von Präsident Assad als Vorbedingung für Friedensverhandlungen mit der Regierung stellt. "Oppositionelle Aktivisten verweigern sich weiter kategorisch dem Dialog", kritisierte Außenminister Sergej Lawrow. "Solange an dieser untragbaren Position festgehalten wird, wird nichts Gutes passieren - die Gewalt hält an, Menschen sterben", sagte Lawrow und signalisierte damit ein Festhalten an Syrien.

Als Verbündeter der Assad-Regierung hat Russland in der Vergangenheit sein Veto gegen drei Assad-kritische UN-Resolutionen eingelegt. Seit Beginn des Aufstands, der sich zu einem Bürgerkrieg entwickelt hat, sind nach UN-Schätzungen mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen. Lawrow warf dem Westen und einigen arabischen Staaten vor, Friedensgespräche zu unterminieren, indem die Rebellen mit Waffen versorgt würden.

AGRARWIRTSCHAFT KOMMT ZUM ERLIEGEN

Während die Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts keine Fortschritte machen, wird die Lage für die Menschen immer dramatischer. Die Landwirtschaft liegt brach. Die Weizen- und Gersteproduktion habe sich halbiert, teilte die UN-Ernährungsorganisation FAO mit. Viele Bauern seien nicht mehr in der Lage, die Ernte einzuholen. Auch der Anbau von Gemüse, Obst und Oliven sei eingebrochen. Schwierig sei zudem der Transport der Waren, da die Infrastruktur stark beschädigt sei.