Chinas Männer haben wieder Lust auf Luxus

Donnerstag, 24. Januar 2013, 12:28 Uhr
 

Hongkong (Reuters) - Gucci-Handtaschen, Geldbörsen von Louis Vuitton oder Hosen von Kenzo - Luxus-Artikel gehen in den chinesischen Einkaufstempeln wieder tütenweise über die Ladentheke.

Doch in den Edel-Läden drängelt sich nicht etwa wie in Europa oder den USA vor allem die weibliche Kundschaft: 55 Prozent des chinesischen Markts für Luxusgüter gehen dem Broker CLSA zufolge auf das Konto von Männern. Im weltweiten Durchschnitt sind es nur etwa 40 Prozent.

Im vergangenen Jahr hielt sich die männliche Klientel in China allerdings mit Käufen in Designer-Geschäften zurück und sorgte damit für Unruhe in der Luxus-Branche. Schließlich geben die Chinesen weltweit am meisten für hochpreisige Ware aus, noch vor den Amerikanern. Sie stehen einer Studie der Beratungsfirma Bain zufolge für ein Viertel des gesamten Umsatzes der Branche. Allerdings neigten Männer deutlich seltener zu "Spontan-Käufen" als Frauen - selbst in der Volksrepublik, sagte CLSA-Analystin Mariana Kou in Hongkong. "Sie warten häufiger etwas ab, wenn die wirtschaftliche Lage eher unsicher ist."

"GESCHÄFT MIT DER KORRUPTION LIEF SCHLECHT"

Nach sieben aufeinanderfolgenden Quartalen mit abnehmendem Wirtschaftswachstum gewann die chinesische Wirtschaft Ende 2012 an Fahrt. Vor den Schaufenstern der teuren Boutiquen bildeten sich wieder lange Schlangen. Die britische Luxusmarke Burberry jubelte in der vergangenen Woche, der Umsatz in Asien habe in den vergangenen drei Monaten um 15 Prozent zugelegt, angetrieben durch den Absatz in China und Hongkong. Das Geschäft mit Männer-Bekleidung sei sogar um 50 Prozent nach oben geschossen, Accessoires für Männer wie etwa Taschen zogen um fast 40 Prozent an.

Noch im September hatte ein trüber Ausblick des britischen Luxus-Labels für Entsetzen in der gesamten Branche gesorgt und europaweit die Aktienkurse von Luxuskonzernen wie LVMH und Hermes auf Talfahrt geschickt.

Als Grund für das besondere Interesse der chinesischen Männer gilt aber nicht nur ein besonders ausgeprägtes Mode-Bewusstsein oder der Drang nach Status-Symbolen. Es ist auch die chinesische Tradition, Regierungsmitglieder oder mögliche künftige Geschäftspartner durch teure Geschenke wohlgesinnt zu stimmen. Der im Herbst angesetzte Parteikongress, auf dem die neue Führung verkündet wurde, habe in den Monaten davor für weniger Kundschaft in den Geschäften gesorgt. "Ich denke, der einzige Grund für einen Einbruch war der Geschenke-Markt. Korruptionsgeschäfte liefen letztes Jahr natürlich schlecht, weil niemand wusste, für wen er etwas kaufen sollte", sagte Marktstratege Paul French, der China für den Verbraucherforscher Mintel beobachtet. Nach der Benennung des neuen Führungszirkels sprangen die Erlöse der Luxusanbieter im November prompt nach oben.

 
A man walks by a Louis Vuitton luxury boutique at the IFC Mall in Shanghai June 4, 2012. REUTERS/Carlos Barria (CHINA - Tags: BUSINESS)