Königstreue Stammesvertreter gewinnen Wahl in Jordanien

Donnerstag, 24. Januar 2013, 14:13 Uhr
 

Amman (Reuters) - Regierungstreue Stammesvertreter haben die von Islamisten boykottierte erste Parlamentswahl in Jordanien seit den Revolutionen des Arabischen Frühlings gewonnen.

Das staatliche Fernsehen berichtete am Donnerstag, die meisten der 150 zur Wahl stehenden Sitze seien an unabhängige Kandidaten gegangen. Dies sind vor allem Vertreter königstreuer Beduinenstämme und der etablierten Oberschicht. Eine breit angelegte politische Agenda verfolgen sie meist nicht.

Wie in vielen anderen arabischen Ländern kam es zwar auch in Jordanien zu Massenprotesten, jedoch längst nicht in dem Ausmaß wie in jenen Staaten, wo sie zu Umstürzen führten oder Bürgerkriege ausbrachen. Die größte Opposition im Lande ist die Islamistische Aktionsfront der Muslimbrüder, die unter anderem in Tunesien und Ägypten seit den dortigen Revolutionen politisch dominieren. An der Abstimmung in Jordanien nahmen sie jedoch aus Protest gegen ein im vergangenen Jahr erlassenes Wahlgesetz nicht teil, das ihrer Ansicht nach zu sehr die ländlichen Regionen bevorzugt. Die Hochburgen der Islamisten befinden sich in den Städten, während auf dem Land Stammesfürsten oft am einflussreichsten sind. Regierungsvertreter haben die Kritik der Muslimbrüder zurückgewiesen. Die Wahl sei viel mehr ein Meilenstein unter den von König Abdullah unterstützten demokratischen Reformen. Die Opposition habe die Stimmungslage in der Bevölkerung falsch eingeschätzt.

56 Prozent der 2,3 Millionen registrierten Wähler nahmen den offiziellen Angaben nach an der Abstimmung am Mittwoch teil. Auf dem dünn besiedelten Land lag die Wahlbeteiligung bei mehr als 70 Prozent, in den Städten im Schnitt bei lediglich rund 40 Prozent.