Cameron und Merkel - G8 soll Steuerbetrug bekämpfen

Donnerstag, 24. Januar 2013, 17:05 Uhr
 

Davos (Reuters) - Großbritannien will den Kampf gegen Steuerflucht und Steuerhinterziehung zu einem Schwerpunkt seiner diesjährigen G8-Präsidentschaft machen.

"Wir wollen die G8 nutzen, um eine ernsthaftere Debatte über Steuerflucht und Steuervermeidung zu führen", sagte Premierminister David Cameron am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Überall auf der Welt gebe es Forderungen, mehr zu tun. Deshalb müsse es eine engere Zusammenarbeit geben. Wichtig etwa seien Vereinbarungen der Gruppe der acht etablierten Industriestaaten über einen automatischen Informationsaustausch, um Steuerflucht zu vermeiden. "Ich halte das für ein ganz wichtiges Thema", betonte auch Bundeskanzlerin Merkel in dem Schweizer Nobelskiort. Sie forderte zudem ein stärkeres Vorgehen gegen Schattenbanken.

Der G8-Gruppe gehören neben Großbritannien die USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien und Russland an.

Cameron betonte zugleich, dass er ein Anhänger niedriger Steuersätze sei. Großbritannien habe die niedrigsten Unternehmenssteuern unter den sieben führenden Industriestaaten (G7), die auf mittlerweile 20 Prozent gesunken seien. Die niedrigen Steuersätze auch bei der Einkommenssteuer sorgen allerdings für Konflikte mit Partnerländern wie etwa Frankreich. Cameron hatte bereits im vergangenen Juni angekündigt, französischen Unternehmern den "roten Teppich auszurollen", wenn der sozialistische Präsident Francois Hollande seine Pläne einer Reichensteuer in die Tat umsetzen sollte.

Auch auf dem G20-Treffen der wichtigsten Industriestaaten und Schwellenländer sollte nach Meinung Merkels die stärkere Regulierung der Finanzmärkte wieder eine stärkere Rolle spielen. "Ich glaube, dass die Regulierung des Schattenbankensystems auf dem G20-Gipfel in Russland eine zentrale Rolle spielen muss", sagte sie. "Ich sehe eine riesige Lücke, was die Regulierung der Finanzmärkte anbelangt", kritisierte Merkel zudem und erinnerte daran, dass man auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gemeinsam beschlossen habe, alle Märkte, alle Akteure und alle Produkte zu regulieren. Davon sei man heute weit entfernt. "Ich kann insbesondere die Realwirtschaft nur dazu aufrufen, uns zu unterstützen auf dem Weg." Denn die westlichen Demokratien könnten eine erneute Finanzkrise nur sehr schwer aushalten.