U-Bahn-Streik in Athen eskaliert - Polizei greift ein

Freitag, 25. Januar 2013, 15:28 Uhr
 

Athen (Reuters) - Nach über einer Woche Stillstand im Athener U-Bahn-Verkehr hat die griechische Polizei hart gegen die streikenden Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe durchgegriffen.

Beamte stürmten am Freitag ein besetztes Zug-Depot, um dem seit neun Tagen anhaltenden Ausstand der U-Bahn-Beschäftigten zu beenden. Doch erst am späten Nachmittag begann die Lage sich nach und nach zu normalisieren. Zuvor hatten auch Busfahrer und Eisenbahner sich dem Arbeitskampf gegen deutliche Lohnkürzungen vorübergehend angeschlossen und so für lange Staus in der griechischen Hauptstadt und Frust unter Pendlern gesorgt.

Die Regierung hatte auf Grundlage eines Notstandsgesetzes den Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe mit Festnahmen gedroht, sollten sie ihren Ausstand nicht beenden. Im Gegenzug für milliardenschwere Hilfen von seinen internationalen Geldgebern muss das krisengeschüttelte Land einen harten Sparkurs fahren und Reformen umsetzen. Lohnkürzungen bei den U-Bahnfahrern sind in der Regierungskoalition umstritten.

Die Polizisten verschafften sich nach Angaben eines Sprechers gegen vier Uhr in der Früh mit Gewalt Zugang zu dem Depot, in dem rund 90 Arbeiter ausgeharrten. Dabei sei es zu Rangeleien gekommen. Mindestens zehn U-Bahn-Mitarbeiter seien vorübergehend festgenommen worden. Eine Frau sei mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Die linksradikale Oppositionspartei Syriza kritisierte den Polizeieinsatz als "barbarisch".

"DIESE WOCHE WAR DIE HÖLLE"

Insbesondere Pendler äußerten wenig Verständnis für die Streikenden. "Diese Woche war die Hölle. Wie können sie erwarten, dass wir auf ihrer Seite sind, wenn sie uns das antun. Wir leiden alle unter den Sparmaßnahmen", sagte der 50-jährige Dionisis Kefalas. "Normalen Leuten wird das Leben schwergemacht - als ob unsere Probleme nicht groß genug sind", schloss sich die Büroangestellte Daphne Kiritsi der Kritik an. Sie habe in dieser Woche 200 Euro für Taxis ausgeben, ein Viertel ihres Monatseinkommens.

Ungeachtet dessen rief der für die Privatwirtschaft zuständige Gewerkschaftsdachverband GSEE für kommenden Monat zu einem 24-stündigen Streik gegen die Sparmaßnahmen auf. "Der Kampf der Arbeiter wird fortgesetzt bis Gerechtigkeit herrscht", sagte GSEE-Generalsekretär Nikos Kioutsoukis.