Malische Armee stößt auf Islamisten-Hochburg Gao vor

Freitag, 25. Januar 2013, 16:34 Uhr
 

Segou/Bamako (Reuters) - In Mali vertreiben französische Einheiten und Regierungstruppen Islamisten aus immer mehr Städten und bereiten den Vorstoß auf deren Hochburg Gao vor.

Dabei greifen Malis Soldaten zwei Wochen nach der französischen Intervention zunehmend selbst in die Kämpfe gegen die Rebellen im Norden des Landes ein. Am Donnerstagabend nahmen sie Hombori ein, nachdem die französische Luftwaffe in den vergangenen Tagen Angriffe auf Stellungen der Aufständischen geflogen hatte. Die Stadt ist rund 160 Kilometer von Gao entfernt. Daneben halten die Rebellen, die über enge Verbindungen zum Islamisten-Netzwerk Al-Kaida verfügen, vor allem auch die Wüstenstädte Timbuktu und Kidal.

Malische Offiziere erklärten, der Sturm auf Gao könne in den kommenden Tagen beginnen. Nach Berichten des malischen Rundfunks griff die französische Luftwaffe bereits Stellungen der Rebellen in Ansongo an, 60 Kilometer vor Gao. In Grenzgebiet zwischen Niger und Mali halten sich nigrische Truppen und Soldaten aus dem Tschad bereit, um in die Kämpfe einzugreifen.

Ein Offizier, der namentlich nicht genannt werden wollte, berichtete, Hombori sei kampflos eingenommen worden. Die Islamisten hätten die Stadt vorher verlassen. Nach einem Radio-Bericht wurden die Soldaten von jubelnden Einwohnern empfangen.

Hinter der Frontlinie, die französische und malische Truppen immer tiefer in den riesigen, zumeist wüstenartigen Norden des Landes treiben, bezogen Soldaten eines afrikanischen Staatenbündnisses Stellung. Sie sind Teil der internationalen Bemühungen, Al-Kaida zurückzudrängen und sollen auf über 5000 Mann anwachsen. Das französische Militär hat 2500 Soldaten in seiner ehemaligen Kolonie im Einsatz. Sie sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Paris auf 3700 aufgestockt werden.

MALI-KONFERENZ AFRIKANISCHER STAATSCHEFS IN ADDIS ABEBA

Ziel des internationalen Einsatzes ist es, den Islamisten einen sicheren Rückzugsort zu nehmen, von dem aus sie Angriffe auf den Westen starten könnten. Nach französischen Angaben haben die Rebellen eine gute militärische Ausbildung und sind auch gut ausgerüstet. Ihre Stärke soll demnach weniger in konventioneller Kriegsführung liegen, sondern vor allem im Guerilla-Kampf.

Dieses Wochenende wollen sich afrikanische Staats- und Regierungschefs in Addis Abeba treffen, um das weitere Vorgehen in Mali zu besprechen und um eine finanzielle Unterstützung des Einsatzes zu werben. Deutschland hat bereits Hilfen zugesagt. Nach französischen Angaben können bei der Konferenz 370 Millionen Euro eingeworben werden.

In Berlin bestätigte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes nicht, dass die Warnung vor einem möglichen terroristischen Anschlag auf Ausländer im libyschen Bengasi in Zusammenhang mit den Kämpfen in Mali stehe. Die Islamisten hatten erklärt, sie würden in der gesamten Sahel-Zone französische Ziele und die Unterstützer Frankreichs angreifen.

Frankreich hatte in Mali eingegriffen, nachdem die Islamisten in Richtung der Hauptstadt Bamako im Süden des Landes vorgestoßen waren. Die Bundeswehr unterstützt den Einsatz des afrikanischen Staatenbündnisses Ecowas mit zwei Transportflugzeugen, die Truppen nach Mali fliegen sollen. Eine direkte Beteiligung am Kampfeinsatz schließt die Bundesregierung bisher aus.

 
French soldiers, who prepare for their departure for Mali, walk past armoured vehicles with theirs belongings during a visit of the French Defence Minister at the military base of Miramas, southern France, January 25, 2013. REUTERS/Jean-Paul Pelissier (FRANCE - Tags: MILITARY POLITICS)