Aufständische: Assad-Kräfte greifen Sunniten in Homs an

Freitag, 25. Januar 2013, 17:20 Uhr
 

Amman/Genf (Reuters) - Die syrische Armee geht nach Angaben der Opposition mit Unterstützung Tausender Milizionäre verstärkt gegen Sunniten in der strategisch wichtigen Stadt Homs vor.

Etwa 15.000 Zivilisten seien im Süden und Westen der Stadt nördlich von Damaskus eingeschlossen, sagten Aufständische am Freitag per Telefon. Die reguläre Armee werde durch mindestens 10.000 Mitglieder der Schabbiha-Miliz aus Tartus verstärkt. Nach fast zwei Jahren Bürgerkrieg in Syrien warnten die Vereinten Nationen vor einer "absolut dramatischen" Flüchtlingssituation in Jordanien.

Homs liegt etwa auf halbem Weg zwischen Damaskus und Aleppo. Hier laufen wichtige Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen zusammen, die für Truppenbewegungen von großer Bedeutung sind. Die Aufständischen waren nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen in neue Teile der Stadt eingerückt. Die Rebellen hätten die Opposition jedoch darum gebeten, die Offensive nicht bekanntzugeben, um keine Gegenangriffe zu provozieren. Seit Sonntag seien jedoch mindestens 120 Zivilisten und 30 Rebellen-Kämpfer durch Raketen- und Artilleriebeschuss oder Bombenangriffen getötet worden. Die Armee von Präsident Baschar al-Assad werde nun von der Schabbiha-Miliz verstärkt, die für Massaker verantwortlich gemacht wird. "Deren Spezialität besteht darin, zu plündern und Zivilisten zu töten", sagte ein Sprecher der Opposition.

Die Angaben aus Syrien können praktisch nicht überprüft werden, weil unabhängige Medien kaum Zugang haben. Die syrische Regierung hat sich nicht zu einem Vorstoß auf Homs geäußert. Die Staatsmedien haben jedoch in der Vergangenheit von einer Notwendigkeit gesprochen, die Stadt von Terroristen "zu säubern".

UN: "ABSOLUT DRAMATISCHE" FLÜCHTLINGSSITUATION

Bei dem seit fast zwei Jahren anhaltenden Bürgerkrieg sind Schätzungsweise 60.000 Menschen ums Leben gekommen, Hunderttausende sind aus dem Land geflohen. Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sagte der Nachrichtenagentur Reuters in Genf, die Zahl der gemeldeten Syrer in Jordanien, der Türkei, dem Libanon, dem Irak und Nordafrika liege gegenwärtig bei etwa 680.000 und bewege sich schnell auf die 700.000 zu. Eine Kollegin beschrieb besonders die Lage in Jordanien als "absolut dramatisch". Die UN lobte die Staaten dafür, dass sie ihre Grenzen hoffen hielten. So habe die Türkei bereits 15 Flüchtlingslager errichtet und baue fünf weitere. "Sie bauen die Lager so schnell wie sie können", sagte eine Sprecherin.

Ein hochrangiges Mitglied der saudischen Königsfamilie forderte, die Aufständischen in Syrien mit besseren Waffen auszustatten. "Ich gehöre nicht zur Regierung, daher muss ich nicht diplomatisch sein", sagte Turki al-Faisal, ehemaliger Geheimdienstchef und Bruder des Außenministers. "Ich gehe davon aus, dass wir Waffen liefern", erklärte er in Davos. "Wenn wir nicht Waffen liefern, wäre das ein fürchterlicher Fehler von uns." Die Rebellen sollten panzerbrechende und Flugabwehr-Waffen erhalten. Syrien hat mehreren Staaten - darunter auch Saudi-Arabien - vorgeworfen, die Aufständischen zu unterstützen. Alle Länder weisen dies zurück. UN-Kreisen zufolge erhalten die Rebellen offenbar Waffen über die Golf-Staaten und die Türkei.

 
Newly arrived Syrian refugees wait to receive aid and rations at Al-Zaatri refugee camp in the Jordanian city of Mafraq, near the border with Syria, January 25, 2013. REUTERS/Muhammad Hamed (JORDAN - Tags: CIVIL UNREST POLITICS SOCIETY)